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Jugendliche beim Lernen in der Sonne
© Syda Productions/Shutterstock

Die Teilhabe an Bildungsangeboten und bestehende Benachteiligungen sind seit Beginn der Corona-Pandemie immer stärker in den Fokus gerückt. Auch wenn sich die Auswirkungen der Pandemie auf die einzelnen Bildungsbiografien und die Bildungslandschaft als Ganzes noch nicht mit validen Daten beschreiben lassen, bietet der Erziehungs- und Bildungsbericht Offenbach (EBO) 2021 eine erste Bestandsaufnahme. Die Folgen der Corona-Pandemie auf Bildungsprozesse und -institutionen sowie die Digitalisierung sind Schwerpunktthemen des neuen Berichts.   

Offenbachs Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß betont: „Aufgrund der Corona-Pandemie stehen das Bildungssystem und die Bildungsakteure seit März 2020 vor großen Herausforderungen. An 180 von 270 berücksichtigten Tagen fand nach einer OECD-Studie kein normaler Schulunterricht statt. Eltern mussten Aufgaben von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen verstärkt übernehmen. Für viele Menschen bedeutete diese Ausnahmesituation auch eine große emotionale und wirtschaftliche Belastung.“

Als Schulen geschlossen wurden und Distanzunterricht stattfand, mussten von jetzt auf gleich Bildungseinrichtungen in den digitalen Modus stellen. Dies ging nicht überall reibungslos vor sich, so Weiß weiter: „Es war nicht möglich, in so kurzer Zeit das Bildungssystem überall umzustellen. In Offenbach gelang es uns, da wir uns schon sehr früh beispielsweise erfolgreich um Fördermittel aus dem Digitalpakt bemüht haben, um vergleichsweise zügig digital unterrichten zu können.“

Der Digitalpakt soll Schulen auf den neusten Stand der Technik bringen und fit für die Zukunft machen. Mit Weitsicht hat die Stadt Offenbach schon vor dem Digitalpakt und vor der Pandemie die Digitalisierung der Schulen vorangetrieben und diese bereits flächendeckend mit Glasfaser-Anschlüssen ausgestattet. Mit der Einrichtung von WLAN-Netzen und der Ausstattung der Unterrichtsräume mit Präsentationsgeräten und der Anschaffung von Tablets hält die digitale Zukunft Schritt für Schritt in allen Offenbacher Schulen Einzug. Erste Schulen wie die Leibnizschule, Grundschule Buchhügel, Ludwig-Dern-Schule und Lauterbornschule konnten bereits auf digitale Unterrichtsangebote umrüsten.

„Die moderne Ausstattung mit digitaler Technik ist neben dem Neubau und der schrittweisen Sanierung der Schulen ein Schwerpunkt der Offenbacher Schulpolitik“, erläutert Bildungsdezernent Weiß. Offenbach hat als ersten Infrastruktur Schritt 4,22 Millionen Euro für den Einbau von WLAN an Offenbacher Schulen beantragt und bewilligt bekommen, die Arbeiten sind in vollem Gange. 5,45 Millionen Euro wurden von der Stadt Offenbach für Präsentationsmedien als weiteren Schritt beantragt und ebenso bereits bewilligt. Damit können in allen Schulen digitale Whiteboards installiert werden. Alle Anschaffungen und notwendigen Arbeiten wurden bereits beauftragt, einige Schulen sind schon vollständig ausgestattet. Insgesamt kann die Stadt eine Summe von 9,67 Millionen Euro aus dem Digitalpakt erwarten, wovon allerdings 2,4 Millionen als kommunaler Eigenanteil aufzubringen sind. Zusätzlich wurden Tablets für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte im Wert von 2,7 Millionen Euro aus Ergänzungsprogrammen des Digitalpaktes angeschafft. Alle Schulen sind an das Glasfasernetz angebunden und haben schnelles Internet.

Bürgermeisterin und Kinder- und Jugenddezernentin Sabine Groß erinnert an die Belastungen für die ganz jungen Kinder: „Es ist für mich unstrittig, dass die Allerkleinsten in unserer Gesellschaft zu den Hauptleidtragenden der Pandemie gehören. Wir durchleben verschiedene Phasen und haben immer alle im Blick: Die Kinder, die Eltern und die Erzieherinnen und Erzieher. Und wir hatten in dieser Zeit den Mut, in Offenbach viele eigenständige Entscheidungen zu treffen. Ich erinnere mich, als wir im Juni 2020 in die Phase des eingeschränkten Regelbetriebs mit dem Besuch des hessischen Sozialministers bei uns in Offenbach eintraten und in den Kitas des EKO für die Zeit bis zu den Sommerferien, ein verlässliches und umfassendes Programm für die Kinder in letzten Kita-Jahr angeboten haben. Wir gehören zudem zu den wenigen Kommunen, die Lollitests in den Kitas anbieten, um so Infektionsketten früh zu unterbrechen.“ Die Stadt bietet außerdem viele sogenannten Aufhol-Angeboten in allen Schulferien. „Diese Angebote haben wir bereits bis mindestens Sommer 2022 eingeplant.“ Dem Übergang Kita-Grundschule kommt dabei die größte Bedeutung zu und das betrifft beide Seiten des Übergangs: Das Alter als Kita-Kind und die Phase als junges Schulkind.

„Obwohl die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen seit fast zwei Jahren andauern, sind uns die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche bis heute unklar und in ihrer Bandbreite sowohl qualitativ als auch quantitativ nicht gänzlich bekannt“, sagt Bernd Hormuth, der stellvertretende Leiter des Jugendamtes. „Der Begriff Bildung schließt das soziale Lernen im Umgang mit Gleichaltrigen und Erwachsenen mit ein. Und gerade hier gab es aufgrund der Kontaktverbote die größten Einschränkungen. Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen nicht immer sichtbar, auch nicht immer im direkten Zusammenhang mit den letzten zwei Jahren betrachtet werden können. Jedoch müssen wir jetzt versuchen, neben der Vermittlung von Schulstoff vor allem die Vermittlung von sozialen Kompetenzen unserer Kinder und Jugendlichen in den Fokus zu nehmen.“

Markus Winter, Dezernent im Staatlichen Schulamt, verweist auf die Herausforderungen in den Schulen: „Die der Pandemie geschuldeten Maßnahmen in der Schule waren in ihren Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler sehr heterogen und gehen weit über nicht erfolgte Unterrichtsinhalte hinaus und wirken weiterhin nach. Die Schulen sind deshalb nun gefordert, geeignete Ideen und Maßnahmen zur Kompensation zu entwickeln, um das Aufholen nach Corona zu ermöglichen.“ Hierfür stehen Ressourcen aus dem Landesprogramm „Löwenstark - der Bildungskick“ zur Verfügung, mit denen auch außerschulische Kooperationspartner eingebunden werden können. Allein für das zweite Halbjahr 2021 werden durch Löwenstark rund 1,5 Millionen Euro für Schulen in der Stadt Offenbach zur Verfügung gestellt. Zielsetzung dieser Bemühungen: „Schule als Lebens- und Lernort“ wieder neu erfahrbar zu machen, Kinder und Jugendliche ganzheitlich in den Blick zu nehmen und ihnen Freude am eigenen Lernerfolg, Zuversicht, Selbstvertrauen und Optimismus zu schenken. „Schulische Gemeinschaft ist dabei von zentraler Bedeutung“, so Winter abschließend.

Auch die Stadtbibliothek musste sich den Folgen der Pandemie stellen, erläutert die Leiterin der Einrichtung, Nicole Köster: „Die Stadtbibliothek hat die Herausforderungen der letzten beiden Jahre gut bewältigt, die Erweiterung digitaler Nutzungsmöglichkeiten ging schneller und umfassender voran als geplant, zusätzliche Angebote wie die Bibliothek der Dinge, Makerspace und die FamilienZeit konnten eingerichtet werden. Auch wenn die Veranstaltungsarbeit mit den Schulen zeitweise vollständig zum Erliegen kam, war die Nachfrage nach digitalen und physischen Materialien für Schülerinnen und Schüler groß.“ Vor allem während des zweiten Lockdowns war die Stadtbibliothek für viele Menschen eine Anlaufstelle für den Austausch aber auch für die Versorgung mit neuen Spielen, Tonies und weiteren Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. „Für das nächste Jahr haben wir weitere Projekte geplant wie die Ausleihe von Notebooks und Tablets und zusätzliche Gaming-Angebote für alle Altersgruppen.“

Wie alle anderen Einrichtungen musste auch die Volkshochschule ihr Angebot anpassen und teilweise einschränken, sagt Vhs-Leiter Dirk Wolk-Pöhlmann: „Die Pandemie hat den Zugang zu Sprach- und Integrationskursen für Neuzugewanderte erheblich erschwert. Kurse können aufgrund der Hygieneregelungen nur noch mit einer reduzierten Zahl an Teilnehmenden laufen, Wartezeiten verlängern sich dadurch. Im Lockdown, in dem auch Lernen in Integrationskursen nur noch digital möglich war, wurde sichtbar, dass bei vielen Teilnehmenden die technische Infrastruktur nicht ausreichend ist. Es fehlte auch an ehrenamtlicher Lernbegleitung.“ Die Wohnsituation und die fehlende Kinderbetreuung, unter anderem durch die Schließung der Schulen, haben ein Arbeiten von zuhause für die Teilnehmenden teilweise unmöglich gemacht. „Wichtige Prozesse des Spracherwerbs, des Erwerbs von Zertifikaten und Abschlüssen, die zum Beispiel für eine Einbürgerung notwendig sind, wurden unterbrochen. Lockdown und der Wechsel von Präsenz zu digital gefährden die Integration und Teilhabe“, so Wolk-Pöhlmann.

Hintergrundinformationen zum EBO:

Der Erziehungs- und Bildungsbericht Offenbach hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen von Bildung in der Stadt Offenbach kenntlich machen, Bildungsergebnisse und Entwicklungen (auch im interkommunalen Vergleich) darzustellen und vertiefend zu analysieren. Er stellt damit eine Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen in der Kommune dar und erscheint seit 2005 regelmäßig, mittlerweile in einem dreijährigen Rhythmus, im Wechsel mit einem Tabellenband (Datenbericht Bildung). Der EBO wird von einer ämterübergreifenden Fachgruppe vorbereitet, seit 2014 unter Federführung der Volkshochschule-Fachstelle Bildungskoordinierung und Beratung. Der EBO 2021 kann unter folgender Seite heruntergeladen werden: 

17. Dezember 2021