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Was Johannes Gutenberg für Mainz, ist Alois Senefelder für Offenbach: „Hier ist die Wiege des reproduzierbaren Bücherdrucks“, so Dr. Harry Neß. Das Haus der Stadtgeschichte hat unlängst einen Werkvertrag mit dem Experten für Lithographie geschlossen, damit er die unterschiedlichen Quellen sichtet und die weltweite Bedeutung Senefelders herausarbeitet. Am Ende der Recherche könnte sogar ein Antrag Offenbachs auf Aufnahme als Kulturerbe beim Weltregister der UNESCO stehen.

Schließlich hat das von dem Jurastudenten mit Hang zur Schriftstellerei um 1800 herum ersonnene Verfahren aus geschliffenen Steinplatten mit fetthaltiger Tusche und einer mit Wasser beschichteten Druckform die Drucktechnik revolutioniert. Allerdings hätte das Verfahren ohne den Musikverleger Johann Anton André, der, so Neß „den Riecher hatte“ und der Witwe Mozarts nicht nur die Rechte am Notennachlass des Ausnahmekünstlers abkaufte, sondern auch von Senefelder das Patentrecht an dessen Erfindung erwarb, kaum in der Rasanz seinen Siegeszug um die Welt antreten können. Vor allem junge Künstler stürzten sich seinerzeit das neue Verfahren, das Reproduzierbarkeit bei hoher Qualität verhieß. „Senefelders Erfindung ermöglichte den Druck von Halbtönen ebenso wie von Bildern mit Farbverläufen“, weiß Martin Lange, Aufsichtsratsvorsitzender der Internationalen Senefelder Stiftung. Die 1971 gegründete Stiftung will das Andenken bewahren, sie fördert junge Künstler und Techniker und ist mit einer eigenen Sammlung im Haus der Stadtgeschichte zu Hause. Diese wird seit Kurzem mit einer neuerworbenen Lithographie von Adolph Menzel aus dem Jahr 1834 bereichert. „Ein prachtvoll gestaltetes Blatt mit detailreichen Anspielungen und Berliner Stadtansichten, das viele Deutungen zulässt“, freut sich Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer vom Haus der Stadtgeschichte.

Alois Senefelder, Erfinder des Lithodrucks
© Stadt Offenbach
Während beim Gutenbergschen Buchdruck mit beweglichen Lettern noch jedes Werk ein Original war, erlaubte der Lithodruck die Vervielfältigung auch hohem Niveau. „Etwas, was Toulouse-Lautrec ebenso nutzte wie später Springer mit der BILD-Zeitung. Heute machen der Flach- und Offsetdruck weltweit etwa 80 Prozent der Produktionsverfahren aus“, so Lange weiter. Allerdings sei die Relevanz Senefelders kaum bekannt, auch in Offenbach ist diese nur en passant sichtbar. Eine Straße ist nach dem Erfinder der Lithographie benannt und im Büsing-Park weist eine Steinsäule auf den Standort seiner Werkstatt in der Berliner Straße hin. „Mit dem Werkvertrag ist nun eine gute Möglichkeit eröffnet, den Schatz zu heben und sichtbar zu machen, was wir überhaupt haben“, ergänzt Dr. Eichenauer. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Clemens Benkel wird Dr. Neß nun auf Spurensuche gehen, im Haus der Stadtgeschichte, aber eben auch in der Grafischen Werkstatt, im Klingspor-Museum und im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Das Vorhaben wird über den Hessischen Museumsverband (HMV) aus Mitteln des Landes Hessen gefördert. Neß ist schon jetzt überzeugt, dass der Gesamtzusammenhang jetzt erstmals richtig sichtbar und „identitätsstiftend“ für die Stadt sein wird. In Offenbach hängen Industriegeschichte, Kunst und Kultur zusammen, daher gehe es nun darum, diese Rolle stärker herauszuarbeiten und die Deutungshoheit über den Diskurs zu gewinnen, ergänzt der Leiter des Forums für Kultur, Dr. Ralph Philipp Ziegler: „Offenbach muss die Rolle spielen, die der historischen Bedeutung der Stadt auch entspricht.“