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Stadträtin Marx mit Oberbürgermeister Dr. Schwenke und Dr. Halwachs.
Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke mit Stadträtin Gertrud Marx, Vorsitzende der Kommission zur gesellschaftlichen Gleichstellung der Frau (links im Bild) sowie Dr. Inga Halwachs, Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte (rechts). © Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach

Anlässlich des Internationalen Aktionstages gegen Gewalt an Frauen am 25. November zeigt Offenbach Flagge. Zum ersten Mal mit einer eigens für die Stadt angefertigten Flagge „Offenbach gegen Gewalt an Frauen“ an der Südseite und mit einem Banner, das bis zum 10. Dezember am Rathaus-Balkon an der Nordseite des Gebäudes hängt. Weitere Banner sind in der Stadt bei den zahlreichen Institutionen und Vereine gehängt, die sich im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen solidarisch zeigen.

Häusliche und sexualisierte Gewalt hat viele Ausprägungen: Darunter gefasst werden sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung, Stalking oder digitale Gewalt, aber auch Menschenhandel, Gewalt im Rahmen von Sexarbeit und weiblicher Genitalbeschneidung. Grundsätzlich ist jede Frau potentiell gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden, allerdings sind queere oder Trans-Personen besonders von Gewalt betroffen und erfahren auch Frauen mit einer Behinderung erfahren laut einer Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2011 fast doppelt so häufig körperliche Gewalt. Sexualisierte Gewalt erleben sie sogar drei Mal so häufig wie Menschen ohne Behinderungen.

Das orange beleuchtete Rathaus am Abend.
Das Rathaus leuchtet orange. © Stadt Offenbach / georg-foto, offenbach

Weil statistisch jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen ist und jede vierte Frau körperliche und/oder sexualisierte Gewalt in der Partnerschaft erleidet, hat die Stadt Offenbach ein Hilfesystem mit verschiedenen Ansprechpartnern etabliert: Die Fachberatungsstelle für häusliche Gewalt von Frauen helfen Frauen e.V., ebenso wie die Kriseninterventionsstelle bei polizeilichen Einsätzen nach häuslicher Gewalt und das Frauen- und Kinderhaus beraten und unterstützen seit über 30 Jahren Frauen, aber auch betroffene Jugendliche, anonym und kostenfrei über ihre Rechte und Möglichkeiten. Die Kriseninterventionsstelle berät nach Polizeieinsätzen im Rahmen des Gewaltschutzgesetztes, bietet psychosoziale Gespräche und vermittelt im Bedarfsfall Plätze im Frauenhaus. Das oben genannte Beratungsangebot wurde ebenso wie die Beratungen im Halte.Punkt oder dem Frauennotruf bei pro familia Offenbach e.V., dem Weissen Ring e.V. oder dem Caritasverband e.V. auch während der Pandemie aufrechterhalten. Neben den lokalen Kontakten können sich Betroffene rund um die Uhr anonym und kostenlos ganzjährig an das mehrsprachige Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000 116 016 wenden.

„Das Offenbacher Hilfesystem bietet das ganze Jahr über von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen Schutz, Beratung und Unterstützung. Der Aktionstag gegen Gewalt an Frauen ist ein wichtiger Anlass, das Thema der häuslichen Gewalt aus der privaten Tabu-Zone in die Öffentlichkeit zu bringen und Nein zu Gewalt an Frauen zu sagen. Eine Beteiligung des Rathauses durch die Flagge und das Banner Offenbach gegen Gewalt an Frauen ist mir deshalb sehr wichtig“, so der Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke. 

Zumal auch in Offenbach im vergangenen Jahr 222 Frauen von häuslicher Gewalt betroffen waren, 17 Frauen Opfer von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung wurden und eine Frau im Kontext häuslicher Gewalt starb (vier waren es laut Opferstatistik des Polizeipräsidiums Südosthessen in den letzten fünf Jahren). 17 Frauen waren von Stalking betroffen. Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr 2019 deutlich gestiegen und spiegeln zudem nur die von der Polizei ermittelten Fälle, also nur das sogenannte „Hellfeld“, wieder. „Während der Corona-Pandemie verzeichnen fast alle Hilfesysteme einen Anstieg in den Beratungszahlen. Die gestiegenen Zahlen sind sicherlich auch auf eine gute Sichtbarkeit der Beratungsstellen und eine wachsende Bekanntheit des Offenbacher Hilfesystems zurückzuführen“, so die Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Inga Halwachs.

Frauen helfen Frauen e.V. hat auch in diesem Jahr unter dem Motto „Gewalt ist krass. Mut ist krasser“ eine „Karte gegen Gewalt“ erstellt, auf der über die aktuellen Fallzahlen aus dem Jahr 2020 für Offenbach informiert wird.

Sprühkreiden-Aktion in der Offenbacher Innenstadt und den Stadtteilen

Anlässlich des Aktionstages rückt der Offenbacher Arbeitskreis bereits zum zweiten Mal gegen häusliche und sexualisierte Gewalt aus, um in der Offenbacher Innenstadt sowie den Stadtteilen mit einer Sprühkreiden-Aktion zur Solidarität gegen Gewalt an Frauen aufzurufen. 12 Teams sind mit orangener Sprühkreide unterwegs und rücken „Stopp Gewalt an Frauen“, aufmerksamkeitsstark in das Bewusstsein der Offenbacherinnen und Offenbacher. Der Arbeitskreis ist ein Zusammenschluss von Fachberatungsstellen, Polizei und Justiz, Jugendamt und Jugendhilfeträger sowie Wohlfahrtsverbände und Vereinen, koordiniert durch die Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, und arbeitet ganzjährig daran, Angebote sichtbar zu machen und besser zu vernetzen.

Im vergangenen Jahr 2021 hat der Arbeitskreis zudem eine durch das Frauenbüro koordinierte Bestands- und Bedarfsanalyse zur Umsetzung des Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, der sogenannten Istanbul Konvention, durchgeführt. „Diese Analyse hat gezeigt, dass die Stadt Offenbach zwar ein ausdifferenziertes Netzwerk zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt aufweist, aber das Offenbacher Hilfesystem zusätzliche Ressourcen für Schutzunterkünfte, psychosoziale Prozessbegleitung und Personal benötigt“, resümiert Inga Halwachs. „Die Gleichstellungskommission wertet die Analyse als wichtiges Instrument zur Bekämpfung von häuslicher und sexualisierter Gewalt und befürwortet die umfassende Umsetzung der Istanbul Konvention in Offenbach“, so die Vorsitzende der Gleichstellungskommission, Stadträtin Gertrud Marx.

26. November 2021