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Marianne Herrmann, OB Dr. Schwenke und Dr. Inga Halwachs halten die Fahne
Das Foto zeigt von links nach rechts: Stadträtin und Vorsitzende der Gleichstellungskommission Marianne Herrmann, Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke sowie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Inga Halwachs © Stadt Offenbach / Monika Müller
Anlässlich des Internationalen Aktionstages gegen Gewalt an Frauen am 25. November setzt Offenbach auf Initiative der Kommission zur gesellschaftlichen Gleichstellung der Frau mit den Flaggen „frei leben – ohne Gewalt“ von Terre des Femmes ein weithin sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Ob in der Ehe und Partnerschaft, sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung, Stalking oder digitale Gewalt, aber auch Menschenhandel, Gewalt im Rahmen von Sexarbeit und weiblicher Genitalbeschneidung – Gewalt gegen Frauen hat viele Ausprägungen.

„Eine Welt ohne Frauenrechte und ohne Schutz von Frauen vor Gewalt ist im 21. Jahrhundert absolut nicht tolerabel. Mir ist es wichtig, jedes Jahr am 25. November durch das Hissen der Flagge von Terre des Femmes die reale und ständige Bedrohung von Frauen sichtbar zu machen und wir hier in unserer Stadt Frauen eine Stimme zu verleihen,“ betonte Stadträtin und Vorsitzende der Gleichstellungskommission Marianne Herrmann beim gemeinsam Fototermin mit Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke und der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Dr. Inga Halwachs.

Auch in Offenbach waren im vergangenen Jahr 202 Frauen von häuslicher Gewalt betroffen, wurden 13 Frauen Opfer von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung, wurde eine Frau im Kontext häuslicher Gewalt getötet. Weitere 16 Frauen waren laut Opferstatistik des Polizeipräsidiums Südosthessen von Stalking betroffen.

Diese Zahlen spiegeln allerdings leider nur das sogenannte „Hellfeld“ wieder, also die der Polizei bekannten Fälle. Studien gehen davon aus, dass tatsächlich jede 3. Frau in Deutschland von sexueller und/oder körperlicher Gewalt betroffen ist und jede vierte Frau körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt. „Besonders alarmierend ist, das Schätzungen zufolge nur 20 Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen die Beratungs- und Unterstützungsangebote und –einrichtungen nutzen. Deshalb müssen wir das bestehende Hilfesystem in der Stadt immer wieder in den Fokus rücken und das Thema „häusliche Gewalt“ aus der Tabu-Zone holen“, sagt die kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Inga Halwachs.

Inwieweit sich die Corona-Krise in der Kriminalitätsstatistik zu häuslicher Gewalt niederschlagen wird, lasse sich aktuell nur vermuten, so Halwachs weiter: „Klar ist aber schon jetzt, dass gerade in einer Zeit voller Unsicherheiten, wie wir sie aktuell erleben, vulnerable Personen besonders gefährdet sind, Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt zu werden.“

Die Mitarbeiterinnen des Offenbacher Vereins „Frauen helfen Frauen e.V.“ berichten, dass Covid-19 die Abläufe des Hilfesystems verändert. So würden Wegweisungen und Betretungsverbote von den Tätern nicht befolgt und können betroffene Frauen in Zeiten von Lockdown und Kurzarbeit nur eingeschränkt Kontakt zu den Hilfsangeboten aufnehmen.

OB Schwenke hält ein Bild der Sprühaktion
Bild der Sprühaktion © Stadt Offenbach / Monika Müller

Sprühkreiden-Aktion in der Offenbacher Innenstadt und den Stadtteilen

Der Offenbacher Arbeitskreis gegen häusliche und sexualisierte Gewalt, ein Zusammenschluss von Fachberatungsstellen, Polizei und Justiz, Jugendamt und Jugendhilfeträger sowie Wohlfahrtsverbände und Vereinen, koordiniert durch die Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, hat am gestrigen Mittwoch, 25. November, eine Sprühkreiden-Aktion durchgeführt, um das Thema „Gewalt gegen Frauen“ stärker in der Öffentlichkeit und ins Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu rücken. Dabei waren verschiedene Teams im Offenbacher Stadtgebiet und in den einigen Stadtteilen unterwegs, und sprühten mit „Stopp Gewalt an Frauen“ eine Art visuelle Stolpersteine auf den Asphalt.  
„Gewalt an Frauen ist aber nicht nur am Aktionstag, sondern jeden Tag ein Thema, dem wir uns in Offenbach annehmen. Nicht nur am 25.11., sondern während des ganzen Jahres, leisten viele engagierte Menschen einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention und bieten von Gewalt betroffenen Personen Hilfe, Schutz, medizinische Versorgung und Beratung und bilden so gemeinsam das Offenbacher Hilfesystem“, betont Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke.

Seit 30 Jahren kostenlose Beratungsangebote und Krisenintervention

Die Fachberatungsstelle für häusliche Gewalt von Frauen helfen Frauen e.V., ebenso wie die Kriseninterventionsstelle bei polizeilichen Einsätzen nach häuslicher Gewalt und das Frauen- und Kinderhaus beraten und unterstützen seit 30 Jahren Frauen, aber auch betroffene Jugendliche, anonym und kostenfrei über ihre Rechte und Möglichkeiten. Die Kriseninterventionsstelle berät nach Polizeieinsätzen im Rahmen des Gewaltschutzgesetztes, bietet psychosoziale Gespräche und vermittelt im Bedarfsfall Plätze im Frauenhaus. Aktuell stehen hier 12 Familienzimmer zur Verfügung, gemäß der in 2017 von Deutschland ratifizierten Istanbul Konvention des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, müssten es gemessen an der Einwohnerzahl der Stadt 14 sein. „Auch wenn Engpässe kurzfristig gelöst werden, setzen wir uns dafür ein, die Kapazitäten langfristig auszubauen“, so Halwachs. 

„Brauchen Sie Hilfe?“

Mit Flyer und Plakaten zur Frage „Brauchen Sie Hilfe?“  informiert der Arbeitskreis gegen häusliche und sexualisierte Gewalt, Frauen helfen Frauen e.V., pro familia und das Frauenbüro über Anlaufstellen für von Gewalt bedrohte oder betroffene Frauen. Neben den lokalen Kontakten können sich Betroffene rund um die Uhr anonym und kostenlos ganzjährig an das mehrsprachige Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ 08000 116 016 wenden.

Flyer und Plakate sind bei den beteiligten Organisationen kostenlos erhältlich.

Auf Asphalt gesprühtes Bild "Stopp! Gewalt an Frauen"
© Stadt Offenbach / Monika Müller