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Rehkitz
© Elsemargriet / Pixabay
Wie verhalten Sie sich richtig, wenn Sie im Feld oder Wald ein verletztes oder vermeintlich hilfsbedürftiges Wildtier finden? Wann benötigt ein Wildtier überhaupt Hilfe und an wen können Sie sich wenden? Wir haben für Sie wichtige Rechtsvorschriften und Verhaltensempfehlungen zusammengestellt.

Welche Rechtsvorschriften gibt es zu beachten?

Wildtiere sind Tiere, die nicht in menschlicher Obhut leben. Sie haben demnach keinen Besitzer. Wildtiere werden durch das Tierschutz- und Bundesnaturschutzgesetz geschützt, je nach Art fallen sie aber auch unter das Jagdrecht. In der Bundesartenschutzverordnung gibt es eine Auflistung besonders streng geschützter Tiere, zum Beispiel der Eisvogel, Weißstorch und Grünspecht.
Grundsätzlich gilt laut dem Bundesnaturschutzgesetz (Paragraf 45 Abs. 5), dass man „… vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften…, verletzte, hilflose oder kranke Tiere“ aufnehmen und gesund pflegen darf. Die Tiere sind sobald „sie sich selbständig erhalten können“ unverzüglich freizulassen.

Wenn Sie ein verletztes oder totes Tier finden, das dem Jagdrecht unterliegt, müssen Sie den zuständigen Jäger oder Jagdpächter informieren. Sie dürfen diese Tiere nicht mitnehmen, sonst machen Sie sich der Wilderei strafbar. In der Stadt Offenbach ist der erste Ansprechpartner bei gefundenen (Wild-)Tieren die Feuerwehr unter der Rufnummer 112. Sie kümmert sich darum, die richtigen Stellen zu informieren.

Die Bestimmungen des hessischen Jagdrechts gelten unter anderem für Füchse, Rehe, Wildschweine, Feldhasen, Waschbären, Dachse, Marder, Nutrias, Wildkaninchen, Wildenten, Wildgänse, Elstern und Krähen. Auch der in Europa verbreitete sogenannte Höckerschwan (zu erkennen am schwarzen Höcker am Schnabelansatz) fällt unter das Jagdrecht.

Wichtig zu wissen ...

Wenn Sie ein Wildtier mitnehmen, haften Sie für dieses Tier und müssen anfallende Kosten, zum Beispiel beim Tierarzt, selbst bezahlen. Grundsätzlich sind Wildtiere nicht an Menschen gewöhnt und natürlich auch nicht an ein geschlossenes Gehege oder gar einen Raum. Ein enger Kontakt zu Menschen bedeutet für sie Stress. Dennoch sollten Sie Tieren natürlich helfen. Welches Verhalten richtig ist, hängt vom gefundenen Tier ab.

Grundsätzlich gilt: Als ein Anzeichen für Hilfsbedürftigkeit werten Wildtierorganisationen, wenn ein Tier die Nähe von Menschen sucht, zum Beispiel indem es auf einen zuläuft. Denn in der Regel sind wildlebende Tiere scheu und meiden Menschen. Hilfe benötigt ein Tier auch, wenn es von einer Katze oder einem Hund verletzt wird.
Falls Sie ein krankes oder verletztes Tier mitnehmen, sollten Sie Ihre Hände mit Handschuhen oder Tüchern schützen. Denn ein Tier in Todesangst kann den Helfenden mit Krallen, Schnabel oder Zähnen schwer verletzen. Falls Sie verletzt werden, sollten Sie die Wunde desinfizieren und sie von einem Arzt untersuchen lassen.

Junge Feldhasen und Rehkitze

Bei jungen Feldhasen und Rehkitzen ist die Wahrscheinlichkeit groß, sie alleine anzutreffen. Denn bei diesen Tierarten hält sich die Mutter tagsüber nur selten in der Nähe der Jungtiere auf. Häufig verweilen sie bewegungslos auf den Boden gedrückt. Das bedeutet aber nicht, dass sie Hilfe benötigen. Die Jungtiere dürfen auf keinen Fall angefasst werden, da die Mutter sie ansonsten nicht mehr annimmt.

Vögel

Wildvögel benötigen in den seltensten Fällen Hilfe. Wenn Sie im Rasen einen Jungvogel sitzen sehen, können Sie davon ausgehen, dass er bei einem ersten Flugversuch „abgestürzt“ ist. Setzen Sie den Vogel auf einen Ast oder bringen Sie ihn an einen geschützten Platz. Füttern sollten Sie ihn auf keinen Fall. Jungvögel werden auch nach Verlassen des Nestes noch einige Tage von ihren Eltern versorgt.

Handelt es sich um ein Vogeljunges, das noch nicht auf seinen Füßen stehen kann, keine oder kaum Federn hat, dann sollten Sie dieses wieder ins Nest setzen, vorausgesetzt Sie finden das Nest. Sie können den Vogel in die Hand nehmen, denn deren Mütter nehmen die Jungen trotzdem wieder an. Bei Elstern, Krähen, Greifvögeln oder Falken müssen Sie den Jäger oder die Feuerwehr benachrichtigen. Diese sind auch zu informieren, wenn man auf der Straße verirrte Jungvögel von Enten, Wildgänsen oder Schwänen findet. Alternativ können diese auch in eine nahe gelegene Wildtierauffangstation gebracht werden.

Kleine Eule
© Klaus Dieter vom Wangenheim / Pixabay

Wenn Sie einen Jungvogel mit nach Hause nehmen, dann bedenken Sie, dass junge Vögel (Nestlinge) dringend Wärme benötigen. Sie sollten ihm ein Nest machen, zum Beispiel aus einer Socke und das Nest auf eine Wärmflasche (38 Grad) setzen. Geben Sie ihm weder Wasser noch Fressen, sondern kontaktieren Sie eine Wildtierauffangstation. Ist der Vogel verletzt, hat er zum Beispiel eine Wunde oder einen gebrochenen Flügel, dann benötigt er ebenfalls fachliche Hilfe.

Wenn der Vogel gegen eine Scheibe oder gegen ein Auto geflogen ist (Anflugtrauma), sollten Sie den Vogel mitnehmen und in einen mit einem Handtuch ausgelegten, verschlossenen Karton setzen. Machen Sie Luftlöcher in den Karton, geben Sie dem Tier weder Wasser noch Fressen und lassen Sie es 1 bis 2 Stunden in der Dunkelheit ruhen. Häufig erholt sich der Vogel nach einigen Stunden und kann problemlos wieder fliegen. Sollte dies nicht der Fall sein, bringen Sie ihn in eine Wildtierauffangstation.

Füchse / Fuchswelpen

Füchse sind scheue Tiere und flüchten in der Regel, wenn Sie einem Menschen begegnen. Ein Fuchs, der nicht sofort flüchtet, kann krank sein. Halten Sie in diesem Fall Abstand und fassen Sie den Fuchs nicht an. Denn Füchse können Menschen mit schweren Krankheiten infizieren. Füttern sollten Sie das Tier auch nicht. Der zuständige Jäger oder Jagdpächter kann in Offenbach über die Feuerwehr informiert werden. 

Fuchswelpe
© Thomas Wilken / Pixabay

Fuchswelpen verlassen bereits im Alter von rund drei Monaten alleine den Bau, um ihre ersten Ausflüge zu machen. Die Mutter ist nicht immer in der Nähe, da sie Nahrung beschaffen muss. Wenn die Mutter länger als eine Stunde fernbleibt oder der Welpe offensichtlich krank ist, sollten Sie die oben genannten zuständigen Stellen benachrichtigen.

Wildschweine

Wenn Sie ein junges Wildschwein (Frischling) sehen, können Sie davon ausgehen, dass sich das Elterntier in der Nähe befindet. Sie sollten das Jungtier nicht anfassen und den Fundort verlassen. Das Elterntier geht zu seinem Jungen zurück, sobald sich die Menschen entfernt haben. Falls der Frischling Verletzungen aufweist, kann die Feuerwehr den zuständigen Jäger oder Jagdpächter informieren.

Wichtig zu wissen ... bei Wildschwein, Wildkaninchen, Waschbär und Nilgans

Wenn Wildschwein, Wildkaninchen (nach Paragraf 28 Bundesjagdgesetz) oder Waschbären und Nilgänse (Gemäß der Verordnung 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten) von Menschen aufgenommen werden, dürfen sie nicht wieder ausgesetzt werden.

Waschbären auf dem Dach oder in Gartenhütten: Auskünfte, Tipps und Informationen erhalten Sie von der Unteren Jagdbehörde der Stadt Offenbach.

Igel

Ein Igel ist in freier Natur überlebensfähig. Hilfe benötigt er nur, wenn er kurz vor Beginn des Winters unter 500 Gramm wiegt oder bei Frost und Schnee herumläuft. In diesen Fällen können Sie helfen, indem Sie dem Tier Katzen- oder Hundedosenfutter oder ungewürztes Rührei geben. Auf keinen Fall Milch! Mitnehmen sollten Sie den Igel auch nicht. Ist der Igel verletzt oder krank (Husten, Parasitenbefall, stark abgemagert), sollte er zum Tierarzt oder in eine Igelstation gebracht werden.

Igel im Gras
© Tomasz Proszek / Pixabay

Wenn Sie ein Igelkind finden, sollten Sie erst nach dessen Mutter oder Geschwistern Ausschau halten. Wenn die Mutter nicht auffindbar ist und das Kleine weniger als 200 Gramm wiegt oder ausgekühlt ist, benötigt es Hilfe. Seine normale Körpertemperatur sollte 36 Grad betragen. Ein unterkühltes Igelkind können Sie in einen mit einem Handtuch ausgelegten Karton setzen, den Karton stellen Sie wiederum auf eine Wärmflasche. Igel sollten nicht mit Rotlicht gewärmt werden.

Viele Igelkinder haben Maden und Flöhe. Diese können Sie selbst entfernen, die Flöhe gehen nicht auf den Menschen über. Kontaktieren Sie in jedem Fall eine Igelstation.

Fledermaus

Wenn sich eine Fledermaus in Ihr Haus oder Ihre Wohnung verirrt, sollten Sie über Nacht ein Fenster weit offen stehen lassen, die Tür des Raumes schließen und das Licht löschen. In der Regel findet die Fledermaus dann wieder nach draußen. Eine im Vorhang verfangene Fledermaus, können Sie mit einer Schere großzügig aus dem Vorhang freischneiden und in eine Pflegestation bringen. Grundsätzlich benötigen erwachsene Fledermäuse, die geschwächt oder verletzt sind, keine Wärmezufuhr. Anders sieht es bei Jungtieren aus oder wenn eine Fledermaus ins Wasser gefallen ist. In diesem Fall sollte das Tier nach dem Herausholen in ein Tuch gewickelt und an die Wärme gebracht werden. Falls die Fledermaus abends nicht wieder losfliegt, kann man ihr mit einer in der Höhe angebrachten Kartonschachtel den Abflug erleichtern. Falls die Fledermaus trotzdem nicht wegfliegt, sollten Sie eine Pflegestation kontaktieren.

Fledermaus auf einem Handtuch
© kissu / Pixabay

Jungtiere können Sie, falls bekannt, auf den Einflugspalt legen, aus denen die Fledermäuse starten. Ansonsten sollten sie das Tier in der Dämmerung erhöht platzieren und warten, ob die Mutter es wieder abholt. Eine Wildtierstation empfiehlt hierfür eine Flasche mit warmem Wasser zu füllen und über die Flasche eine Socke zu stülpen, an der man das Jungtier hängt. Die Flasche sollten Sie wiederum in eine Schüssel mit glattem Rand stellen. Die Wärme benötigt das Junge, damit es nicht auskühlt und weiter nach der Mutter ruft. Sie sollten immer darauf warten, ob das Kleine von der Mutter abgeholt wird.

Zum Transportieren können Sie das Tier in einen mit Küchenrollenpapier oder nichtfasernden Stoff ausgelegten kleinen Karton oder in eine Schachtel legen. Wichtig ist, dass die Fledermaus nicht austrocknet. Dafür kann ein feuchtes Handtuch über den Karton oder die Schachtel gelegt werden.

Wichtig: Verletzte oder hilfebedürftige Fledermäuse sollten nur mit Handschuhen angefasst werden, da diese aus Angst vor einem Angriff beißen. Zudem sollten Sie das Tier vorsichtig und vollständig umfassen, damit es nicht aus Angst mit den Flügeln schlägt und sich womöglich noch mehr verletzt.

Alle Fledermausarten gehören gemäß Paragraf 10 Absatz 2 Nr. 10 b und 11b Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten.

Eichhörnchen, Siebenschläfer und Gartenmaus

Die Jungtiere von Nesthockern sind Raubtieren hilflos ausgeliefert, wenn sie aus dem Nest fallen. Wenn die Mütter die Kleinen nicht finden und zurück ins Nest bringen, sind diese verloren. Sie sollten daher auf jeden Fall helfen. Wichtig ist, dass das Jungtier warmgehalten wird. Ein ausgekühltes Tier wird von der Mutter nicht zurückgenommen. Sie können das Tierkind zuhause mit einer Wärmflasche wärmen, um die ein Handtuch gewickelt wird. Rotlicht ist nicht geeignet, da dies das Tier zu schnell austrocknet, wenn es noch kein Fell hat.

Schlafendes Eichhörnchen
© Alexas_Fotos / Pixabay

Einige Wildtierstationen empfehlen, das Tierkind anschließend an den Fundort zurückzubringen, dort warm zu betten und abzuwarten, ob es von der Mutter geholt wird. Das sollte aber nur bei unverletzten Tieren versucht werden, die noch nach der Mutter rufen. Falls Sie eine Rückführung probieren, müssen Sie das Jungtier so platzieren, dass kein Räuber das Tier erreicht.

Erstversorgung: Das Allerwichtigste ist das Tier zu wärmen. Versuchen Sie nicht, das Tierchen sofort zu füttern. Nager müssen erst ihre Körpertemperatur von 37 Grad erreichen, bevor sie fressen. Zudem benötigen Eichhörnchen eine ganz spezielle Milch!

Zum Transportieren können Sie die Nager in eine Kartonschachtel legen, wobei Sie darauf achten sollten, dass das Tier genügend Luft bekommt.

Alle „Schläfer“, Sieben-, Garten- und Baumschläfer sowie Haselmaus, gehören laut Paragraf 42 Bundesnaturschutzgesetz und Paragraf 1 Satz 1 Artenschutzverordnung zu den besonders geschützten Säugetieren.

Verkehrsunfall mit einem Wildtier

Kommt es zu einem Unfall mit einem Wildtier, müssen Sie die Unfallstelle mit Warndreieck und Warnblinker markieren und absichern und die Polizei, Feuerwehr oder den zuständigen Jäger informieren. Diese stellen dann auch eine Bescheinigung als Nachweis für die Auto-Versicherung über den Wildunfall aus.
Ein totes oder verletztes Tier darf nicht mitgenommen werden, ansonsten machen Sie sich der Wilderei strafbar. Nach dem Anruf sollten sie warten bis die Rettungskräfte eintreffen. Wenn das angefahrene Tier flüchtet, müssen Sie trotzdem die Polizei informieren.

Wichtig: Bei verletzten Füchsen, Wildschweinen oder Rehen sollten Sie Abstand halten, da diese unberechenbar reagieren können.

Wichtige Rufnummern, Wildtierstationen, Hilfsorganisationen, Gesetze ...

Feuerwehr: 112
Polizei / Notruf: 110
Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz: 069 8065-4910
Untere Jagdschutzbehörde: 069 8065-2502

Wildtierstationen

Waldzoo Offenbach
Waldstraße 275
63071 Offenbach am Main
069 852520
kontaktwaldzoo-offenbachde

Wildtierhilfe Schäfer 
Waldstraße 275
63071 Offenbach am Main
(Gelände des Waldzoos)
Notfallnummern:  06103 45 989 55  und 0178 7215103

Wildtierfreunde
Nürnberger Straße 4a 
63450 Hanau
Telefon: 0178 6010718 oder 0157 55001553
infowildtierfreundecom

Das Vereinsgelände  und die Wildtierpflegestation befindet sich in Maintal: Im Linnen 1a
63477 Maintal

Wildtierhilfe Odenwald „Koboldhof
64732 Bad König
Handy: 0163 3515058
infowildtierhilfe-odenwaldde

Deutsche Gesellschaft für Mauersegler
Buchenstraße 9
65933 Frankfurt am Main
Telefon: 069 35351504

Weitere Hilfsorganisationen

Fledermausschutz
Bundesweite Fledermaushotline: 030 284984-5000
Mo-Fr von 10 bis 16 Uhr
In den Sommermonaten Juni bis August zusätzlich auch von 19 bis 21 Uhr

Igel
Hotline: 0180 5555-9551

Tierschutzverein Frankfurt-Fechenheim: 069 423005

Greifvögel:
„Alte Fasanerie“ Klein-Auheim : 06181-69191

Tauben:
Stadttaubenprojekt Frankfurt e.V.: 0170 8484757 

Insekten/Wespen:
Umwelttelefon der Stadt Frankfurt: 069 21239100

Naturschutzbund Kreisverband Frankfurt am Main
Graebestraße 4b
60488 Frankfurt
Telefon: 0179-3157413
nabunabu-frankfurtde

Vermisste Haustiere
Tierregister/Tierhilfe TASSO e.V.
24-Stunden-Notruf-Hotline  06190 937300

Weitere Informationen zu Wildtieren

Gesetze