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Auf ein besonders forderndes Jahr blickt die Stadtpolizei in einem umfassenden Bericht zurück. Mit dem Leiter der Stadtpolizei Offenbach am Main, Lothar Haack, hat Yasmin Kaya für die Onlineredaktion im Interview gesprochen:

Redaktion: Wie hat 2021 Ihre Arbeit verändert? Konnten sich die Corona-Aufgaben neben anderen Tätigkeiten einspielen?

Lothar Haack: Die Stadtpolizei konnte im Allgemeinen den Anforderungen dieser besonderen Zeit standhalten. Zum Jahreswechsel in der 3. Welle haben wir die Maßnahmen massiv intensiviert, es gab und gibt schärfere Regeln für die Bürger und Bürgerinnen in Offenbach. Wir haben vermehrt in der Innenstadt kontrolliert - die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen sowie das Einhalten eines Mindestabstandes. Menschen reagierten unterschiedlich darauf und manche wirkten sehr gestresst. Einige fordern mehr Maßnahmen, anderen sind diese Maßnahmen schon zu viel. Es ist den Menschen auch oft schwergefallen, sich an die je nach Inzidenz geänderten Regeln anzupassen. Viele empfinden eine Abneigung gegenüber den Regelungen und damit auch den ausführenden Polizisten. Nach den Sommerferien 2021 erwarten wir durch die Reiserückkehrer erhöhte Corona-Zahlen und Inzidenzen – und neue Maßnahmen.

Die Stadtpolizei hat die Zahl der Stellen um 16 erhöht. Was passiert mit diesen Stellen, wenn sich die Corona-Lage verändert?

Die Stadtpolizei wurde bereits 2020 unter Bürgermeister Peter Freier um 12 Stellen vergrößert. Dies war bereits 2019 beantragt worden, um die stetig wachsenden Aufgaben und den Wechsel in einen 24/7 Betrieb ermöglichen zu können. Die Kräfte werden auch beim Abklingen der Corona Maßnahmen nicht frei oder arbeitslos, sondern können endlich wieder ihre ursprünglich zugedachte Aufgabe erledigen. Der 24/7 Betrieb, der durch die Stadtpolizei ab Juli 2020 geplant war, wurde durch die Entwicklung der Corona Situation auf April vorgezogen. In diesem Jahr sind weitere vier Stellen dazu gekommen – und auch die werden gebraucht. Denn die Bürgerinnen und Bürger möchten eine Sichtbarkeit der Stadtpolizei auch auf der Straße.

Was sind diese ursprünglich zugedachten Aufgaben der Stadtpolizei?

Grundsätzlich sind wir für die Gefahrenabwehr zuständig. Das reicht von Maßnahmen zum Infektionsschutz, Überwachung illegaler Müllablagerungen, Ruhestörungen, Halten gefährlicher Hunde, Autowracks, Jugendschutz, Gaststätten- und Gewerbekontrollen, Offenbacher Straßen- und Stadionordnung, hilflose Personen, über die Unterbringung psychisch Kranker, Wohnungsverwahrlosung, aggressives und organisiertes Betteln bis zum Verbot der Taubenfütterung, Leinenzwang von Hunden, Alkoholkonsum auf Spielplätzen. Wir sind zuständig für zweckentfremdete Nutzung von Spielplätzen und Schulhöfen, Kontrolle von Sondernutzungen und fliegenden Händlern, wildes Plakatieren, Abschleppen von Fahrzeugen und Autowracks. Und die Liste ist mit Präventionskontrollen, persönlicher und telefonischer Anlaufstelle für Bürgerbeschwerden, Schulwegkontrollen, Fahrrad- und Hundekontrolltagen, Taxikontrollen, Verkehrsregelungsmaßnahmen, Begleitung von Versammlungen und Demos, Überwachung von Feiern und Festen im öffentlichen Raum noch nicht zu Ende. Zusätzlich ist die städtische Verkehrsüberwachung des ruhenden und fließenden Verkehrs bei der Stadtpolizei angesiedelt.

Konnte man auch während der Corona-Pandemie auf die Bürgerinnen und Bürger eingehen?

Im Jahr 2020 haben die Stadtpolizei rund 30.0000 Telefonanrufe erreicht und viele Bürgerinnen und Bürger haben die Stadtwache als zentrale Anlaufstelle in der Stadt direkt aufgesucht. Alle Beschwerden und Wünsche der Bürger werden aufgenommen und wir nehmen sie ernst. Dennoch kann es immer wieder einmal Fälle geben, in denen Bürgeranliegen im Interessenkonflikt zu denen anderer Bürger liegen oder zu den gesetzlichen Vorschriften. Die Polizei ist ja immer auch der „Helfer“. Unsere Kollegen sind immer ansprechbar und bemüht, zu helfen.  Ein Beispiel für das breite Einsatzspektrum der Stadtpolizei sind Ruhestörungen. Hier geht es nicht mehr nur um Fälle wie „der Fernseher des Nachbarn ist zu laut“, sondern wir sehen Gefahrenpotenzial und häusliche Gewalt. Für uns gilt hier: wer schlägt, der geht – der Gewalttätige muss die Wohnung verlassen.

Wie wird man Stadtpolizist?

Die Stadtpolizei Offenbachs arbeitet stets daran, attraktiver Arbeitgeber zu sein. Aktuell haben wir 85 Bewerber, darunter viele Quereinsteiger. Leider interessieren sich Abiturienten nicht für den Beruf als Hilfspolizeibeamter. Dabei gibt es gute Weiterbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten zum Stadtpolizeibeamten und zum Dienstgruppenleiter und ein ordentliches Einkommen. Wir sind den Menschen sehr nah und helfen ihnen – keine Schicht ist wie die andere. Wir würden uns auch wünschen, dass es zum Ausbildungsberuf wird – derzeit nehmen die Anwärter an einem mehrmonatigen Lehrgang zur Unterweisung teil, bevor sie bei uns anfangen.

Ist der Schichtdienst nicht für viele abschreckend?

Ich habe 27 Jahre gerne im Schichtdienst gearbeitet. Man hat trotzdem genug Zeit für sich selbst oder die Familie und bekommt bestimmte Zuschüsse. Jeder Serie über drei Tage mit 12-Stunden-Schicht ab sechs oder achtzehn Uhr folgen drei freie Tage.

Was sind besondere Erfahrungen der Stadtpolizei während der Corona-Pandemie?

In den letzten Monaten hat die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, Landes- und Bundespolizei viel Spaß gemacht und Abwechslung gebracht. Es gab gemeinsame Kontrollen der S-Bahnen und Fußgängerzonen.

Was bringt die Zukunft?

Wir freuen uns auf das große Projekt der Gemeinsamen Wache mit der Landespolizei. Geplant ist eine umfassende Kooperation mit dem Ordnungsamt und der Landespolizei. Lästige Behördengänge beim Ordnungsamt werden vereinfacht. Es soll künftig keiner mehr weggeschickt werden. Die Polizei steht Offenbacherinnen und Offenbachern auf diesem Wege unmittelbar zur Verfügung.

8. September 2021