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Papiermännchen, die auf Distanz gehen
© Pixabay
Das Land Hessen hat mehrere Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen. Vor Ort in Offenbach kontrolliert die Stadtpolizei die Einhaltung der Vorgaben wie Abstand halten, Maske tragen, nur zu zweit unterwegs sein und keine Gruppen zu bilden, wenn es sich nicht um Menschen aus demselben Haushalt handelt.

„Viele Menschen verhalten sich in Offenbach vorbildlich und nehmen durch das eigene überlegte Verhalten Rücksicht auf ihre Mitmenschen“, so Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Freier. „Ich würde mir wünschen, alle Bürger würden sich so vernünftig verhalten. Bei einigen aber reichen auch Ermahnungen nicht.“ Freier appelliert deshalb an die Vernunft der Menschen: „Tun Sie sich und uns den Gefallen, dass erst gar nicht Verfahren eröffnet und Bußgelder verhängt werden müssen.“

In der ersten Woche ihres 24/7-Dienstes führte die Stadtpolizei vom 20. bis 26. April 122 Einsätze und Kontrollen im Zusammenhang mit Corona durch. Während sich viele einsichtig zeigten, half bei anderen auch keine einfache Ermahnung. Etwa wenn junge Männer in der Innenstadt nachts erneut als Gruppe unterwegs waren, obwohl sie einige Stunden zuvor bereits aus dem gleichen Grund Platzverweise erhalten hatten.

Shisha-Bar geschlossen

Am vergangenen Wochenende hat die Stadtpolizei durch einen anonymen Hinweis von einer Shisha-Bar erfahren, in der Betrieb sein sollte. Vor Ort konnten die Stadtpolizisten bereits den typischen Geruch wahrnehmen. In der Bar wurden insgesamt neun Menschen angetroffen, teilweise alkoholisiert, die zusammen Wasserpfeife rauchten. Zusätzlich wurde Unterstützung beim 2. Polizeirevier angefordert. Die Bar wurde versiegelt. Den Besitzer der Bar und die Gäste erwartet nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren mit einer knackigen Geldbuße. Wie die Stadtpolizei berichtet, war es für einige das zweite Mal, dass gegen die Verordnungen des Landes verstoßen wurde und sie hätten keine Einsicht gezeigt. „Dieses Verhalten ist unverantwortlich und es wird konsequent geahndet“, betonte Freier.

Die Stadtpolizei kontrolliert regelmäßig an entsprechenden Orten in Offenbach. Die weiteren besonderen Fälle: Ein offenes Wettbüro und zwei Bars wurden geschlossen – ebenso eine Geburtstagsfeier aufgelöst. Bei Auslagen von Geschäften, die das Abstandhalten auf dem Gehweg erschweren, führte die Stadtpolizei stets erst Gespräche mit den Betreibern und wies auf die Vorgaben und Rahmenbedingungen hin. „Ein Bußgeldverfahren ist immer nur die ultima ratio“, hob Bürgermeister Freier hervor.

Werden zum Beispiel in kleinen Läden Auffälligkeiten beobachtet, werden die Besitzer aufgeklärt - zum Beispiel über Kundenmenge oder Größe der Hinweisschilder und es erfolgen mehrfache Nachkontrollen. Die Offenbacher Stadtinformation OSG bietet darüber hinaus fertige Plakate auch als Download-Variante an.

Regelmäßig werden Gruppen aufgelöst

„Immer wieder müssen auch Gastronomen ermahnt werden, weil sie draußen Tische und Stühle zum Verzehr anbieten. Die Regel ist aber ganz klar: Kein Verzehr vor Ort, kein Verweilen, sondern nur Lieferung oder Abholung“, erläuterte Pascal Becker, Leiter der Stadtpolizei.

Stadtpolizisten lösen auch regelmäßig Gruppen in Parks auf, die nicht aus einem Haushalt stammen. „Durch regelmäßige Missachtung der Distanzregeln und des beschränkten Kontaktes müssen dann auch Plätze gesperrt werden. Das macht niemand gerne, denn darunter leiden die Menschen, die sich an die Regeln halten und dort spazieren gehen möchten“, betonte Freier. Zuletzt wurde deshalb auch der Goetheplatz gesperrt, obwohl dort bereits das Quartiersmanagement mit freundlichen Worten um die Einhaltung der Regeln geworben hatte. Im dichtbesiedelten Nordend sollten die Menschen diesen Platz nutzen können – aber eben nur zu zweit und mit Distanz. Die Hafentreppe wurde deshalb ebenso gesperrt wie der Martin-Luther-Park, der inzwischen teilweise aber wieder für Spaziergänger geöffnet ist.

Viele Hinweise aus der Bevölkerung gehen zusätzlich jeden Tag ein. In manchen Fällen werden vor Ort tatsächlich Fahrzeughalter wegen Parken auf Gehwegen oder Radwegen verwarnt und weitergeschickt. In anderen Fällen ist von dem beschriebenen Zustand vor Ort nichts zu sehen. Die Abstände vor Geschäften werden eingehalten, die Hygiene-Hinweise sind korrekt aufgehängt. „Auch wenn es immer mal Ausnahmen gibt, können wir insgesamt eine positive Bilanz der ersten Woche ziehen, in der die Stadtpolizei rund um die Uhr an sieben Tagen unterwegs war“, so Freier. „Wir stellen fest: Die Auflagen werden überwiegend eingehalten. Das freut mich sehr, schließlich sind wir auf die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein der Bürger und Händler angewiesen. Die Corona-Krise ist für alle keine leichte Situation und die strengen Auflagen leider unumgänglich, um das Leben eines jeden Nachbarn und Mitbürgers zu schützen.“

30. April 2020