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Bavaria-Teich in Offenbach
© Stadt Offenbach / Umweltamt

Der Bavaria-Teich liegt im Südosten des Offenbacher Stadtteils Bieber und ist Lebensraum für seltene Pflanzen wie das Braune Zypergras (Cyperus fuscus) und wertvolles Laichgewässer für viele Amphibienarten. Röhricht-Strukturen und dichte Gehölzbereiche bieten Rückzugsmöglichkeiten für Wasser- und Singvögel, während seine reiche Insektenfauna zum Jagdgebiet verschiedener Fledermausarten wird. Das Potenzial für Flora und Fauna ist jedoch weit größer. Das Gewässer gehörte einst zur Aue des Bieberbachs und liegt heute im Landschaftsschutzgebiet „Stadt Offenbach am Main“.

Müll- und Gartenabfallablagerungen, bauliche Anlagen, eingewanderte Pflanzen, die die heimischen verdrängen sowie die aus der vorangegangenen Nutzung resultierende Anreicherung des Gewässers mit Nährstoffen, was mitunter schädliches Pflanzenwachstum zur Folge hat, wirken sich aktuell noch negativ auf die Biodiversität im Weiher aus.

Innerhalb einer Ökokontomaßnahme plant die Untere Naturschutzbehörde des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz die ökologische Aufwertung des Gewässers und der umliegenden Grünfläche, einem Gebiet von insgesamt etwa 0,6 Hektar.

Bürgermeisterin Sabine Groß erläutert:“ Ziel ist es, den Bavaria-Teich in ein reich strukturiertes Biotop zu verwandeln und damit für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten Lebensraum zu schaffen. Der Umfang dieser Maßnahmen wird in Ökopunkten nach der Kompensationsverordnung bemessen und ermöglicht so die Refinanzierung des Projekts. Zukünftige, unvermeidbare Eingriffe in die Natur können durch den Kauf von Ökopunkten im Vorfeld ausgeglichen werden. Die Schaffung eines umfangreicheren Ökokontoguthabens zur Vereinfachung und Beschleunigung der städtebaulichen Entwicklung ist wichtiger Bestandteil des Offenbacher Konzepts `Mensch + Natur`“.

Damit Bauprojekte und andere Vorhaben unter Beachtung der gesetzlichen Eingriffs-/Ausgleichsregelung ohne Zeitverlust und mit Gewinn für die Landschaft in Offenbach in die Tat umgesetzt werden können, stellt das Amt eigene Ökokontomaßnahmen zur Verfügung.

Heike Hollerbach, Amtsleiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz ergänzt:“ Wir aktivieren mit dieser Maßnahme zwei weitere Ziele aus dem Konzept `Mensch + Natur`. Das ist zum einen der Schutz von Oberflächengewässern und als zweites Ziel die Erweiterung des Retentionsraums, der als Wasserrückhaltefläche bei Starkregen dient und somit einen starken Wasseranstieg verhindert. Außerdem fördern wir die wertvollen Röhrichtbestände.“

Hintergrund: Zustand des Bavaria-Teichs und erforderliche Maßnahmen

Die frühere Nutzung hat zu einer starken Nährstoffanreicherung im Bavaria-Teich geführt, was das Auftreten von Algenblüten begünstigt. Darüber hinaus hat der Weiher an Tiefe verloren. Er verfügt mittlerweile über eine Schlammauflage von etwa 50 bis 80 Zentimetern Höhe und fällt regelmäßig trocken.

Der zentrale Bestandteil der Gebietsentwicklung ist die Entziehung von Nährstoffen. Dazu muss der Weiher zunächst vom übermäßigen Schlamm befreit werden und es muss für eine Vertiefung des Gewässers gesorgt werden. Zusätzlich erforderlich ist die Beseitigung von Müll, der baulichen Anlagen und der Zaunreste. Ferner müssen alle Pflanzen abgetragen und bekämpft werden, die dort nicht heimisch sind. Um den Bavaria-Teich als wertvollen Lebensraum zu erhalten, ist es notwendig, den Weiher eutroph zu gestalten, also zu einem nährstoffreichen und produktiven Gewässer mit Schwimm- und Wasserpflanzenvegetation zu entwickeln. Die Vegetation der Zwergbinsen muss gefördert werden. Eine natürliche Gehölzentwicklung muss entstehen, die Rückzugsräume für Lebewesen schafft. Außerdem ist eine naturnahe magere Uferbepflanzung erforderlich.      

Zurzeit erfolgt die Grundlagenermittlung und Projektplanung. Die entsprechenden Genehmigungen sollen im Frühjahr 2022 eingeholt werden. Der Baubeginn ist für den folgenden Herbst vorgesehen.

Offenbach am Main, 14. Oktober 2021