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Landwirt mit Sohn
Bereits seit drei Generationen betreiben die Kaisers Landwirtschaft in Rumpenheim. Hier zu sehen Michael Kaiser mit seinem Sohn Moritz © Michael Kaiser
In Zeiten des Klimawandels ist die Biodiversität ein wichtiges Thema, mit dem sich die Untere Naturschutzbehörde des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz auseinandersetzt. Für das städtische Konzept „Mensch und Natur“ soll die Artenvielfalt deshalb in Zusammenarbeit mit der lokalen Landwirtschaft gefördert werden.
Blühende Wiesen und Ackerflächen rund um Bürgel, Rumpenheim und Bieber sehen nicht nur schön aus, sondern bieten Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten den idealen Lebensraum. Seit Jahren bewirtschaftet der landwirtschaftliche Betrieb von Werner Kaiser und seinem Sohn Michael daher bereits einen großen Teil der Wiesen im Kuhmühltal unter ökologischen Aspekten. Die Wiesen dort werden maximal zweimal im Jahr gemäht und nicht gedüngt. Damit bleiben sie als ein wertvolles Biotop erhalten. Ein solcher landwirtschaftliche Einsatz wird finanziell durch das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM), unterstützt. Landwirte erhalten dadurch einen finanziellen Ausgleich für zusätzlich anfallende Kosten oder weniger Erträge, die durch nachhaltige Maßnahmen entstehen, die unter anderem die Artenvielfalt erhalten sollen.
Auf Empfehlung des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz hat Werner Kaiser letztes Jahr zusätzlich einen einjährigen Blühstreifen angelegt: „Hierbei wird jährlich im Frühjahr auf den angemeldeten Flächen eine Saatgutmischung einjähriger Kulturarten eingesät, deren Aufwuchs frühestens im kommenden Februar gemäht wird“, erläutert Michael Kaiser. Besonders im Hochsommer ist der Blühstreifen ein Refugium für Insekten, die auf verblühten und abgeernteten Feldern sonst keinen Lebensraum mehr haben.

Nach der erstmaligen Umsetzung im Jahr 2019 hat der Betrieb Kaiser die Blühflächen dieses Jahr nochmals um fast 60 Prozent auf 4,6 Hektar ausgeweitet. Darüber hinaus sind in der Gemarkung Bieber auf 1,6 Hektar stillgelegter Ackerflächen sogenannte Honigbrachen hinzugekommen, ein Saatgut, das besonders Bienen anlockt.

Michael Kaiser wünscht sich von den Bürgern mehr Wertschätzung für die landwirtschaftlichen Bemühungen, die lokale Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Begrünte Wiesen und Äcker werden häufig nicht als Lebensraum für Insekten wahrgenommen und dadurch durch Spaziergänger oder Hunde zerstört. Sabine Swoboda, Fachreferentin in der Unteren Naturschutzbehörde fordert mehr Solidarität für Landwirte wie die Kaisers: „Die Landwirte haben es hier im Ballungsgebiet oft nicht leicht, auf den wenigen verbliebenen Landwirtschaftsflächen noch rentabel zu wirtschaften. Als Gesellschaft brauchen wir aber eine Landwirtschaft, die neben der Nahrungsmittelproduktion auch ein wichtiger Partner für nachhaltige Kulturbiotope ist.“ Das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz appelliert daher an alle Bürger beim Spaziergang und in der Freizeit auf vorgegebenen Wegen zu bleiben und keine Abfälle in der Natur zu hinterlassen.

Offenbach am Main, 13. Juli 2020