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Bootsanleger am Schultheis-Weiher
© georg-foto.de, offenbach
Durch eine Hegebefischung im September im Auftrag des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz sollten wichtige Informationen über den Fisch- und Krebsstand im Schultheis-Weiher gewonnen werden. Dafür wurden beispielsweise schlammwühlende und algenfressende Karpfen entnommen.

„Die gute Nachricht vorweg: Nachdem die Population des Roten Amerikanischen Sumpfkrebses durch Wels und Aal stark reduziert wurde, hat sich der Bestand von Wasserpflanzen wieder erholt“, freut sich Stadtrat Paul-Gerhard Weiß. Hornblatt und Nixenkraut bewachsen nun wieder nennenswerte Flächen des Gewässers und versorgen es mit Sauerstoff.

Bei den Hegebefischungen am 15. und 16. September wurden insgesamt nur vier Exemplare des invasiven roten amerikanischen Sumpfkrebses gefangen, allerdings zeigten die Mageninhalte entnommener Welse, dass der See weiterhin über eine stabile Population verfügt und dass die Schalentiere auf dem Speiseplan der großen Raubfische stehen. Durch die hohe Vermehrungsrate und seine Vorliebe für Wasserpflanzen und Fischleich kann der Sumpfkrebs nicht gänzlich aus dem See entfernt werden, doch stellt er eine Gefahr für das heimische Ökosystem dar. Ein gesunder Bestand an Hecht, Aal, Barsch und Wels könnte die Schäden jedoch begrenzen.  

„Eine erhöhte Sichttiefe erleichtert nicht nur Raubfischen den Beutefang, sie fördert auch das Wachstum von Wasserpflanzen, die wiederum mit Algen und Cyanobakterien um Nährstoffe konkurrieren“, erläutert Alexander Jeschke, stellvertretender Leiter des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz. „Wenn sich im Frühjahr die Wasserpflanzen am Grund bilden ist es wichtig, dass sie nicht durch Sedimentwühler oder pflanzenfressende Graskarpfen vernichtet werden. Klares Wasser ist außerdem wichtig, damit die Pflanzen genug Sonnenlicht für ihr Wachstum bekommen.“ Aus diesem Grund wurde eine große Stückzahl junger Karpfen aus dem Gewässer entnommen und in enger Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Vereinigung Offenbacher Angelvereine (VOA) als Besatzfische in lokalen Seen ausgesetzt. „An dieser Stelle möchten wir uns bei der VOA bedanken, die die Befischung tatkräftig unterstützt und für eine schnelle Versorgung des Fangs gesorgt hat“, so Patrick Slattery, Fachreferent der Unteren Wasserbehörde. „Wir haben derzeit einen guten Bestand an jungen Schleien und haben ungefähr 100 Karpfen und sieben Welse entnommen. Kleinere Welse wurden im Gewässer belassen um weiterhin den Sumpfkrebs zu bekämpfen,“ erklärt Slattery.

Hintergrund

Seit 2017 ist die Wasserqualität im Schultheis-Weiher instabil. Auslöser hierfür sind Perioden intensiver Sonneneinstrahlung, stark sinkende Grundwasserspiegel und das Auftreten invasiver Krebs- und Fischarten. Zudem führt Phosphat aus dem Gewässerumfeld und der großen Zahl an Wasservögeln zu einer Anreicherung von Nährstoffen im See.

In den Sommermonaten kann sich so eine Cyanobakterienbiomasse bilden, die das Gewässer trübt, zu sauerstoffarmen Bedingungen und zum Absterben von Wasserpflanzen und Fischen führen kann. Das ist in den Jahren 2017 und 2019 passiert. Der Schultheis-Weiher war in den Jahren 2010 bis 2016 ein krautreicher Klarwasserflachsee, ein Zustand, in den er nun zurückgeführt werden soll.

Ohne geeignete Maßnahmen ist mit einer voranschreitenden Reduktion von Wasserpflanzen- und Fischarten sowie dem Verlust der ökologischen Funktionen des Gewässers im Naturschutzgebiet zu rechnen. Ein dauerhaftes Badeverbot würde mit dieser Entwicklung einhergehen. Nichtheimische Graskarpfen, die Wasserpflanzen in großen Mengen dezimieren können, sind dieses Mal leider nicht ins Netz gegangen.

24. September 2020