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Blick über den See
© Stadt Offenbach
Der Klimawandel, der im Sommer europaweit Schlagzeilen machte, setzt auch dem Offenbacher Schultheisweiher weiter zu. Dürreperioden, Hitze und Starkregen wechseln sich in kurzer Abfolge ab, das Auftreten von Blaualgen, der fallende Wasserstand und der Sauerstoffmangel führen zu einer für das Ökosystem sehr kritischen Situation.

„Wenn sich keine Besserung zeigt, werden wir wohl langfristig entscheiden müssen, entweder viel Geld für Filteranlagen zu investieren oder auf das Baden zu verzichten“, zieht Heike Hollerbach vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz eine nachdenkliche Zwischenbilanz. „Ohne Eingriff in den Nährstoffkreislauf ist der See in einer unaufhaltbaren Abwärtsspirale.“

Sauerstoffmangel ist größtes Problem

Das größte Problem ist der Sauerstoffmangel, unter anderem ausgelöst durch den sinkenden Wasserpegel. „Im Winter und im ersten Halbjahr hat es nur die Hälfte so viel geregnet wie im Durchschnitt. Seit Mai ist der Wasserstand um 21 Zentimeter gesunken – ein Verlust von inzwischen 20 Millionen Liter in dem flachen See, der über keinen externen Wasserzulauf verfügt.“ Die Durchschnittstiefe des Gewässers liegt bei 1,80 Meter. Gleichzeitig hat die Anzahl der Sonnenstunden im genannten Zeitraum um ein Drittel zugenommen. Das Wasser hat sich zwischenzeitlich auf 28 Grad erwärmt – die Folge: Blaualgen (Cynobakterien) haben sich gebildet.

Zwar hat sich die Situation zuletzt vorübergehend verbessert. Die Wassertemperatur ist auf 21 Grad gefallen, die Chlorophyll-a-Konzentration liegt knapp unter der Warngrenze von 40 Mikrogramm pro Liter. Die Blaualgengefahr ist für den Moment gebannt. Je nach Wetterlage aber ist eine erneute kurzfristige Verschlechterung zu befürchten: „In Anbetracht der Veränderungen machen wir uns große Sorgen“, führt Hollerbach an. „Die Gefahr verbirgt sich auf dem Seegrund. Die Cyanobakterien haben durch Nährstoffeintrag und Lichtentzug zum massenhaften Absterben von Wasserpflanzen gesorgt. Die Zersetzungsprozesse ziehen den gelösten Sauerstoff ab. Das Wasser ist nahezu sauerstofffrei und hoch angereichert mit Phosphor. Sollte es in den nächsten Wochen zum Temperaturanstieg kommen, könnte es für den See kritisch werden.“ Möglicherweise sind bereits alle Fische tot. Andernfalls kann es in den kommenden Tagen und Wochen erneut zu einem massenhaften Fischsterben kommen.

Situation kann bei Temperaturanstieg kritisch werden

Die beim Umweltamt angesiedelte Untere Wasser- und Bodenschutzbehörde der Stadt überwacht den See sehr streng. Es zeigt sich immer wieder, wie sensibel das nährstoffreiche Gewässer reagiert. Der Pflanzenteppich an der Wasseroberfläche ist abgestorben und die Wasserpflanzen sind zu Boden gesunken. Die Phosphorkonzentration ist nach wie vor enorm hoch und die Wasserpflanzen scheiden als Gegenspieler in dieser Saison aus. Cyanobakterien sind nicht auf Sauerstoff angewiesen.

Die bisherige Methode, mittels Phosphorfällung und Mähen der Situation Herr zu werden, führt aufgrund der bestehenden Eutrophierung (Überdüngung durch zu starken Nährstoffeintrag) zu keiner nennenswerten Verbesserung mehr, da das Ökosystem insgesamt zu instabil geworden ist. Die Nähstoffe bleiben im Kreislauf. Durch äußere Einflüsse (Badegäste, Vögel, Luft und Grundwasser) findet eine zusätzliche Nährstoffanreicherung statt.

Das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz wird sich nun schnellstmöglich mit einem Gutachter und dem Regierungspräsidium über die Entwicklungsziele des im Naturschutzgebiet liegenden Sees austauschen und die Möglichkeiten besprechen. 


01. August 2017