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Aussetzen der Aale
© Stadt Offenbach
Der Berliner Tiergarten, das Frankfurter Rebstockbad oder auch der Offenbacher Schultheis-Weiher – die Invasion des Roten Amerikanischen Sumpfkrebses hat sich dieses Jahr deutschlandweit bemerkbar gemacht. In Offenbach hat sich der Krebs den Schultheis-Weiher als neue Heimat ausgesucht – zum Leidwesen aller anderen Bewohner.

„Die Fähigkeit des Sumpfkrebses, das Aufwachsen von Wasserpflanzen zu unterbinden und die bestehende Vegetation in kürzester Zeit vollständig zu vernichten, ist ein ernst zu nehmendes Problem“, sagt Heike Hollerbach vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Auf seiner Speisekarte stehen Wasserpflanzen, Fische und Muscheln – sogar nährstoffreiches Sediment.

Die in den letzten zwei Jahren unbekannte Ursache für die deutliche Störung der Gewässerqualität kann nun in Verbindung mit einer Sumpfkrebsausbreitung gebracht werden. Die ökologischen Funktionen des Roten Amerikanischen Sumpfkrebses stehen im Gegensatz zu den angewandten Prinzipien der Gewässerbewirtschaftung im Naturschutzgebiet.

Um die lebensnotwendigen Wasserpflanzen und den für hessische Gewässer bemerkenswerten Bestand an Hechten und Schleien zu sichern, ließ das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz bereits im September mehr als 200 Krebse durch Berufsfischer einfangen. Die Gesamtzahl der Krebse bezogen auf das Gewässer ist relativ klein und erreicht voraussichtlich nur eine Größenordnung von 2.000 bis 5.000 fangbare Exemplare.

Schlecht für die Krebse war, dass zu dieser Zeit im Schultheis-Weiher ab einer Tiefe von 75 cm kaum Sauerstoff im Wasser war. Es wurde nachgewiesen, dass die geköderten Sumpfkrebse den längeren Aufenthalt im sauerstofffreien Milieu nicht überlebt haben. Jedoch werden sich voraussichtlich bereits im nächsten Jahr, so die Aussagen der zuständigen unteren Wasserbehörde, die Sumpfkrebse wieder rasch in den tiefer liegenden Bereichen ausbreiten, wenn der Schultheis Weiher wieder in ein ökologisches Gleichgewicht kommt. Die Folgen wären dann: Freisetzung des gebundenen Phosphors, Blaualgenvermehrung, Absterben von Fischen und Wasserpflanzen.

Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs hat im Schultheis-Weiher kaum natürliche Feinde. Das soll sich für den mit Scheren und Dornen besetzten Exoten nun ändern, sagt der zuständige Fachmann der unteren Wasserbehörde, Sergej Justus. Als erste Maßnahme wurde der Fischbestand um 1000 Aale erweitert. Die Hälfte machen Wildaale aus dem Rhein aus. Da der Sumpfkrebs für den Aal die bevorzugte Beute darstellt, wird in den nächsten drei Jahren mit dem Zusammenbruch und der weitgehenden Auflösung des Sumpfkrebsbestandes gerechnet. Ferner kündigt das Umweltamt an, dass zwischen Juli und September 2018 an zwei Terminen eine Befischung mit Reusen stattfindet. 

 

Bildinformation:

Aale werden im Schultheis-Weiher ausgesetzt, um auf die Jagd nach dem Roten Sumpfkrebs zu gehen.

Fotos: Stadt Offenbach

Offenbach am Main, 7. November 2017