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Stefanie Ehret, Martina Weiß, Dr. Stefan Soltek und Dr. Dorothee Ader mit dem Buch „Wer, bitte, ist Rudolf Koch?“ Beim Fototermin verhindert waren leider die beiden Gestalterinnen Laura Brunner und Leonie Martin. © Stadt Offenbach
Typograph, Schriftkünstler, Kalligraf, Lehrer an der Hochschule für Gestaltung: Rudolf Koch ist vor allem als Schriftgestalter in Erinnerung geblieben, an die drei Dutzend Druckschriften gehen auf ihn zurück, seine 1927 entstandene Kabel wurde 2016 von Marc Schütz mit der Kabel-Neu modernisiert. Dass der 1876 in Nürnberg geborene Koch eine vielschichtige, spannende und oftmals auch zerrissene Person war, zeigt die jetzt erschienene Publikation „Wer, bitte, ist Rudolf Koch?“ aus dem Klingspor Museum. Das Haus besitzt und pflegt den Nachlass des 1934 in Offenbach verstorbenen Kochs, dessen Werk auch heute noch stilbildend und inspirierend gilt, und wagt nun eine Annäherung an den Menschen hinter den Schriften. Denn Koch war auch Familienmensch, Christ, Patriot, er war in und wegen seiner Haltung nicht unumstritten, er hegte Sympathien für Hitler und war seinem jüdischen Freund Siegfried Guggenheim tief verbunden und ging erbittert gegen jede Form des Antisemitismus vor. 1915 wurde Koch als bereits etablierter Schriftkünstler zum Militärdienst eingezogen und als Grenadier in Serbien, Frankreich und Russland eingesetzt. Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen, wie sensibel und aufmerksam er seine Kameraden und seine Umgebung wahrnahm. Darüber hinaus war Koch als Künstler natürlich auch ein Kind seiner Zeit, die geprägt war von unterschiedlichen künstlerischen Strömungen, dem Post-Jugendstil, Post- Impressionismus, Dadaismus und dem Expressionismus.

Dass es die eine Annäherung an den Künstler Rudolf Koch nicht gibt, zeigt sich in der Gestaltung des Buches. Laura Brunner und Leonie Martin studieren Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung und haben eine ansprechende und doch passende Form für dessen facettenreiche Persönlichkeit gefunden: Die Umschlagseiten jedes Buches wurden im Siebdruck in unterschiedlichen Farben gedruckt, auch die Schriftfarbe variiert. Für den Titel sowie die Trennseiten haben die beiden Studentinnen, die auch dem von Marc Schütz gegründeten im Klingspor Museum ansässigen Institut für Schriftgestaltung angehören, neue Spielarten der Koch´schen Typen entwickelt.

„Koch war ein Meister darin, Typographie aus dem Handschriftlichen zu entwickeln“, sagt Museumsleiter Dr. Stefan Soltek, „und verstand es den Zeitgeist und individuelle Ausgestaltungen miteinander zu verbinden. Dem trägt die Gestaltung Rechnung.“ Auch wer sich bisher nicht für Schriftkunst und Kalligraphie interessierte, trifft auf einen spannenden Menschen, dessen Gestaltungswille bis in die heutige Zeit fortwirkt. Das reich bebilderte Buch, übrigens die erste Publikation, die mit Farbabbildungen aufwartet, möchte Menschen, weit über Offenbach hinaus für den formalen und inhaltlichen Reichtum des (Schrift)Bild-Schaffens Rudolf Kochs gewinnen.

„Wer, bitte, ist Rudolf Koch“, 276 Seiten, ist ab sofort zum Preis von 25 Euro im Buchhandel und im Klingspor Museum erhältlich. Außerdem gibt es eine kleine Postkartenserie mit ausgewählten Typen und Signaturen, die in kleiner Auflage nur im Klingspor Museum erhältlich ist.

Bildinformation:

Foto: Stadt Offenbach

 

Offenbach am Main, 21. September 2020