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Ausstellung im Klingspor Museum vom 27. Juni bis 13. September 2020
Kleidung und Körperschmuck sind Teil der Identität ihrer Trägerinnen und Träger. Sandra Heinz und Carola Willbrand wählen getragene Textilien als Grundlage ihrer Arbeiten. Alex Reinke (Holy Fox Tattoos, London) arbeitet als Tattookünstler nach japanischer Tradition. Seine Fotografien und Bücher erzählen die Geschichte der zweiten Haut.

Virtuelle Ausstellungseröffnung am 26. Juni um 19 Uhr auf Facebook und Instagram

Eine Ausstellungseröffnung in Zeiten des Abstandhaltens? Wir nehmen die Herausforderung an und eröffnen unsere wunderbare Ausstellung ‚Bedeckt, unbedeckt. Körper und Identität‘ im virtuellen Raum. Wer gerne live dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen am Freitag um 19 Uhr über unsere Facebookseite oder über Instagram teilzunehmen.
Wer Freitag schon was anderes vorhat, kann im Nachgang über unseren Youtube Kanal Klingspor Museum Offenbach nachschauen. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme!

Bedeckt und unbedeckt

Die Ausstellung geht der Frage nach, was Kleidung und Tätowierungen für die Identität eines Menschen bedeuten. Über die ursprüngliche Funktion der Kleidung als Schutz vor Witterung hinaus, erhielt die Kleidung sehr bald zahlreiche weitere Bedeutungen. Sie gab Auskunft über Geschlecht oder Familienstand, zeigte den sozialen Stand der Trägerin oder des Trägers. Und bis heute ist sie auch sichtbares Zeichen von Gruppenzugehörigkeit oder Individualität.

Bedeckt unbedeckt
Sandra Heinz, Für Nasima © Simon Malz
Auch Ausgrenzung aus der Gesellschaft wurde mittels Kleidung signalisiert. In zahlreichen Ländern sind insbesondere Frauen durch diskriminierende Kleidungsvorschriften massiv in ihrem Alltag eingeschränkt. So wird die Burka zum Gefängnis oder zum Schutzraum, der für die Trägerin in einer extrem frauenfeindlichen Umwelt notwendig wird. In Europa waren die Frauen lange Zeit durch die gesellschaftlich geforderte Kleidung stark in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, in ein Korsett eingeschnürt und mit bodenlangen weiten Röcken gekleidet, war den Frauen verwehrt, sich ihre Umwelt auf die gleiche Art wie die Männer anzueignen.
Die vielfältigen Funktionen und Bedeutungen der Kleidung führen dazu, dass ein Kleidungsstück zum Speicher eines Teils der Biographie der Trägerin oder des Trägers wird und dabei auch zum Erinnerungsbehältnis an Lebenssituationen werden kann. Dies wird zum Ansatzpunkt für die Arbeiten der Künstlerinnen Sandra Heinz und Carola Willbrand. Beide Künstlerinnen wählen überwiegend getragene Textilien als Grundlage ihrer Arbeiten, die darin gespeicherte Geschichte wird Teil des Objekts. Sandra Heinz stellt Kleidungsstücke durch Bearbeitung in einen neuen Kontext, wobei sie gesammelte Kleidungsstücke zu Erinnerungsräumen werden lässt. Von Beschneidung elementarer Menschenrechte bei Frauen handelt die Arbeit „Für Nasima“, zarte Gazekleider werden durch die darauf geschriebenen Gebote und Verbote zu albtraumhaften Frauengefängnissen. Textilien und Nähmaschine als Traditionsbezug zur weiblichen Handarbeit stehen für die Auseinandersetzung mit der weiblichen Identität in den Arbeiten von Carola Willbrand, dabei haben viele ihrer Arbeiten performativen Charakter. In ihrer Arbeit „Schutzmantel für Künstlerinnen“ zeigt sie die Verletzlichkeit der Künstlerin und das Bedürfnis eines Schutzraumes.
Bedeckt unbedeckt
© Simon Malz
Viele Aspekte, die die Kleidung betreffen, gelten im erweiterten Sinne auch für das Tattoo. Die Technik, Bilder und Symbole dauerhaft auf die Haut zu bannen, hat eine uralte Tradition. Schon die steinzeitliche Eismumie „Ötzi“ weist Tätowierungen auf. Mutmaßlich handelt es sich um Zeichen, die einen Schutz des Trägers bewirken sollen. Bei modernen Tattoos spielte erst einmal die Gruppenzugehörigkeit eine Rolle, so waren es oft gesellschaftliche Randgruppen wie Kriminelle oder aber Seeleute, die tätowiert waren. Das Tattoo war mit gesellschaftlichem Stigma verbunden, heute ist es im Westen als Körperschmuck gesellschaftlich akzeptiert. Anders in Japan, wo sich zwar das Tätowieren zu einer Kunst entwickelte, Tätowierte aber stigmatisiert sind, da die Gesellschaft Tattoos mit der Yakuza verbindet. Alex (Horikitsune) Reinke (Holy Fox Tattoos, London) arbeitet als Tattookünstler nach japanischer Tradition. Seine Fotografien und Bücher erzählen die Geschichten hinter den Zeichen und gehen der Frage nach den unterschiedlichen Funktionen der Farbe auf dem Körper nach. Die Wurzeln der Motivik japanischer Tätowierungen werden durch zahlreiche traditionelle japanische Kunstgegenstände veranschaulicht.
Bedeckt unbedeckt
© Alex Reinke

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung.

Eine Kooperation mit der KulturRegion FrankfurtRheinMain und dem Jahresthema ‚Kleidung, Freiheit, Identität – gestern und heute‘

Maskenpflicht und Abstand

Gemäß der gültigen Hygiene- und Schutzvorschriften sind das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (Maske) und das Einhalten von Abstand (mind. 1,5 m) verpflichtend. Es können sich maximal 20 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig im Museum aufhalten. Alle Besucherinnen und Besucher begrüßt das Museum mit einem herzlichen Willkommen – wir freuen uns!

Öffnungszeiten

Dienstag, Donnerstag, Freitag 13 bis 18 Uhr,
Mittwoch 14 bis 19 Uhr,
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr

Eintrittspreise

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren Eintritt frei,
Studenten, Bundesfreiwilligendienst 1,50 Euro,
Rentner 2,- Euro,
Erwachsene 2,50 Euro

Mittwochs Eintritt frei