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Günther Kieser
© Klingspor Museum Offenbach

Heute muss ich im Alphabet ein wenig vorrücken - von F riedrich zu G ünther, von H ölderlin zu K ieser, und numerisch zurück: vom 250. zum 90. Geburtstag, und der ist heute! Und Günther Kieser genießt dieser Tage den Sonnenschein, der in den Vorhof seines Offenbacher Zuhauses fällt. Da saß er eben noch und freute sich über die Wärme. Glanz allerdings ist weiß Gott überreich auf den großen Plakatgestalter gefallen, Glanz, den er mit seinen herrlichen Arbeiten, insbesondere zu Jazz-Konzerten, im Übermasß von unzähligen Litfaßsäulen hat ausstrahlen lassen. Wer Näheres zu seinem Leben und Werk wissen möchte, wird in einschlägigen Katalogen fündig oder liest den schönen Artikel, den Reinhold Gries heute in der Offenbach Post platziert hat. Unbedingt in Erinnerung gebracht gehört der überraschende Beitrag Kiesers zum Mozart Jahr 2006. Offenbach gelang - auf Grund von hier zu Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals gedruckten Mozart-Noten (Lithographien) - der Beitritt zum Kreis der Mozart-Städte und beging den 250. Geburtstag des Komponisten mit Konzerten und auch einer Ausstellung im Klingspor Museum. Dazu lieferte Günther Kieser das Personal der Oper Don Giovanni, vorgestellt als Figuren, die sich der phantasievollen grafischen Montage von NotenZeichen verdanken. An ihrer Spitze der Schöpfer selber - Mozart, inszeniert als Typo-Figur, als lebenslustig vor sich hin schreitender Offenbacher (Kopf = O, Zopf = f)! Kieser erfreut nämlich mit ebenso treffsicherem Humor wie seinem Sinn für Form, Farbe und Gestalt. Die Figuren von Don Giovanni, Leporello, Donna Elvira, Komtur und anderen hingen während der Ausstellung als Fahnen von der Decke bis zum Boden des großen Saals im Klingspor Museum und formierten sich zu einer der beeindruckendsten Ausgestaltungen, die dieser wunderbare Raum erlebt hat. Ja, diese Fahnen rufen/singen geradezu nach einer Wiederbelebung anlässlich der entsprechenden Aufführung... Wie auch immer, Günther Kieser schuf zu diesem Anlass einen Leporello (was sonst!), und der wurde zum Verkaufsschlager des Museums par excellence. Vieles wäre über den Designer Kieser zu sagen, anführen möchte ich hier nur dies: ich habe keinen Künstler kennengelernt, der mit soviel Freude und Einschätzungsvermögen das Werk anderer Künstlerinnen und Künstler aufgenommen und gewürdigt hat - und in Nichts erkenne ich deutlicher die Souveränität und Empathie eines/r Kreativen von wirklich hohem Rang.

Lieber Günther Kieser, ein Hoch auf Sie an diesem Festtag, auf soviel Sonnenschein - als hätte ihn Helly vom Himmel herab geschickt!

Stefan Soltek, 24.3.2020

Günther Kieser
© Klingspor Museum Offenbach