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Mit Sorgen beschriebener Umhang von Ole Freytag.
Mit Sorgen beschriebener Umhang von Ole Freytag. © Ole Freytag
Gestickte Stoff-Botschaft von Lisa Müller.
Gestickte Stoff-Botschaft von Lisa Müller. © Lisa Müller
Blatt Papier mit Fragen zur Herkunft und der Aussage "Ich bin Deutsch!".
Haltung skizziert auf Papier von Deniz Akinci. © Deniz Akinci

Im Gedenken an den herausragenden Schreiber und Kalligraphen Rudo Spemann (1905-1947) vergibt das Klingspor Museum im zweijährigen Rhythmus den Rudo Spemann Preis. Nahezu der gesamte Nachlass des Schriftkünstlers gehört zum Kernbestand der Museumssammlung. Jetzt hat die Jury für 2021 die Preisträger bekannt gegeben.

1954 wurde der Preis erstmals ausgeschrieben. Er richtet sich an Auszubildende im Bereich der Schriftgestaltung. Ziel ist es, die Aussagekraft des Handschriftlichen im Bewusstsein zu erhalten und diesen Akzent der Schriftgestaltung im Spiegel der künstlerischen Ausdrucksformen zu erkennen. Die Aufgabe in diesem Jahr lautete „Ich will mir Luft machen – Mein Aufruf heute, mein Appell an Morgen“.

Die Jury war beeindruckt von der differenzierten Machart der eingesandten Arbeiten. „Sie alle waren sichtbar intensiv bemüht, der Aufgabe nachzukommen, ein persönliches Statement glaubhaft, individuell und schriftkünstlerisch professionell in Szene zu setzen“, so die Jury. Aus 34 Einsendung wurden die drei Preisträger gewählt

Preisträger

Ole Freytag wurde der erste Preis zuerkannt. „I think it is time to believe. But I am nervous that the answer is right in front of me. All this pain…“ - Ole Freytag hat seine Ansicht, Haltung und Sorge mit Verve auf einen weiten Umhang geschrieben. Weiß auf Schwarz, sind die Zeilen dicht zu einem Kokon verwoben, in dem sich der Schreiber – Kapuze auf – ganz und gar verbirgt. Schutz vor der Umwelt verbindet sich mit dem Appell für Einsatz in ihr. Mit seinem beschriebenen Cape hat der Student im Fach Kommunikationsdesign an der Hochschule von Wismar den ersten Preis des Rudo Spemann-Wettbewerbs gewonnen.

Zweiter Preis: Schrift im textilen Kontext bringt Lisa Müller, ebenfalls Hochschule Wismar, zur Geltung. Ihr säuberlich gesticktes Tuch – Haushaltstücher des 19. und frühen 20. Jh. standen Pate – für eine Botschaft, die den Handarbeitsrahmen signifikant sprengt: „Nein heisst Nein.“ Unmissverständlich tritt die Unantastbarkeit der Würde der Frau zu Tage. Ob man im „ss“ eine zusätzliche Bedeutungsebene erkennt, bleibt der Betrachterin überlassen.

Dritter Preis: Leitmotiv der Arbeit von Deniz Akinci, Hochschule RheinMain Wiesbaden, ist die Aussage: „Ja, ich bin deutsch.“ Vehement in schwarzen Federstrichen zu Papier gebracht, erklärt sich die Auffassung, dass hier im Land zu leben Zugehörigkeit bedeuten muss. Und dass die hiesigen Leute dieses Land mit allen zu teilen haben, die hier auf ihre Weise gleich bedeutsame Einwohner sind.

Der Rudo Spemann Preis 2021 macht nachdrücklich deutlich: Das Schreiben aus dem persönlichen Dafürhalten, dem Denken und Empfinden heraus hat seine ungebrochene Relevanz.

Die Preisträger- Arbeiten werden am 12.11.21 auf der Jahresmitgliederversammlung der Freunde des Klingspor Museums vorgestellt und werden in der darauffolgenden Woche im Museum zu sehen sein.    

22. Oktober 2021