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Flugzeug am Himmel
© Stadt Offenbach
Als eine „verpasste Chance“ bezeichnet Offenbachs Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß den Bau der Landebahn Nordwest, die vor 5 Jahren am 21. Oktober in Betrieb genommen wurde.

Damals haben Landespolitik und Flughafenbetreiber die Aufgabe verkannt, die Entwicklungsmöglichkeit eines bedeutenden Airports mit dem Lärmschutzinteresse einer großen Ballungsregion in besseren Einklang zu bringen.“ Nicht nur von der Stadt Offenbach und anderen Kommunen, sondern auch von der Pilotenvereinigung seien fachlich fundierte Alternativen formuliert worden. Dazu gehörte etwa der Vorschlag, mit einem Satellitenairport Kapazitätsprobleme lösen und segmentspezifische Angebote für Ferienflüge, Low-Cost-Airlines und Fracht unterbreiten zu können. Auch andere Bahnnutzungen und -konfigurationen zur Lärmkontingentierung und Senkung gesundheitlich relevanter Belastungswerte wurden aufgezeigt. Die Zeit für langfristig tragfähige und schonendere Planungen wäre vorhanden gewesen, wie nicht nur die aktuelle Verkehrsentwicklung zeige. „Man forcierte das Tempo mit fachlich umstrittenen Bedarfsprognosen und zahlte lieber enorme Summen für die schnelle Verlagerung eines Chemiewerkes. Das war kurzsichtig“, resümiert Weiß.  

300.000 Menschen durch Lärm hochbelästigt

Die Auswirkungen seien von vielen unterschätzt worden, würden jetzt aber nach und nach zugegeben. „Die von der Region gemeinsam mit der Luftverkehrswirtschaft in Auftrag gegebene und auch von dieser anerkannte NORAH-Lärmstudie weist 300.000 Menschen als hochbelästigt aus. Allein in Offenbach stieg die Zahl der Betroffenen von 40.000 auf 90.000 Menschen an, negative Auswirkungen auf das Lernverhalten und die Konzentrationsfähigkeit von Kleinkindern und Jugendlichen sind nunmehr nachgewiesen. Und die Restriktionen für die Stadtplanung durch Baubeschränkungen sind für viele Kommunen der Region gerade beim aktuellen Siedlungsdruck im Ballungsraum ein Problem“.

Anstrengungen für Lärmschutz intensivieren

Stadtrat Weiß richtet den Blick nun nach vorne. „Wir alle müssen Anstrengungen für aktiven Lärmschutz erheblich intensivieren, das technisch und fliegerisch Machbare muss auch tatsächlich realisiert werden“. Natürlich seien dabei auch kleine Maßnahmen wichtig, aber kleine Maßnahmen „bringen meist nur kleine Entlastung, dürfen nur als Anfang verstanden werden, als Anbohren der dicken Bretter“.

Anflughöhen müssten erheblich stärker vergrößert, entlastende Flugrouten und -verfahren eingeführt werden. Für besseren Lärmschutz müssten aber auch Bundesgesetze und internationale Regelungen angepasst werden. „Dass dies schwierig ist, weil dort das Bewusstsein für unsere Probleme fehlt, darf nicht entmutigen. Wir müssen initiativ werden“, zeigt sich Paul-Gerhard Weiß entschlossen.

Viele Vorschläge zur Flughafenplanung, die Offenbach im Ausbauverfahren vorgetragen habe, seien weiterhin aktuell. So könne beispielsweise durch Zusammenarbeit und Aufgabenteilung der Flughafen Hahn eine Rolle übernehmen, was besser sei, als diesen durch Abwerbung von Low-Cost-Airlines auszubluten. Zu prüfen sei auch weiterhin eine lärmoptimierte Nutzung des bestehenden Bahnsystems durch die Öffnung der Bahnen in alle Richtungen. Ziel müsse es bleiben, dass in allen Siedlungsbereichen der Dauerschallpegel am Tag unter den wichtigen Schwellenwert von 55 Dezibel sinke. Und es gebe noch Luft, um bisher nächtliche Flugbewegungen zu Tageszeiten abzuwickeln. „Die Nachtflüge galten immer als unverzichtbar, doch seit dem Jahre 2006 fiel der Bedarf von 160 auf 86 im Jahre 2015. Da sind weitere Verbesserungen möglich.“


20.10.2016