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E-Bus an der Bahnunterführung
© Alex Habermehl
Nach und nach werden die neuen E-Busse in Betrieb genommen. Hier beantworten wir Fragen rund um die Inbetriebnahme.

Wie wurden die Fahrer im Hinblick auf die E-Busse geschult?

Wenn ein neues Fahrzeugmodell angeschafft wird, erhalten alle Fahrerinnen und Fahrer eine Einweisung in das Fahrzeug, das wurde in der Vergangenheit auch bei neuen Dieselbussen so gehandhabt. Die Schulung zu den neuen E-Bussen fällt etwas umfangreicher aus, denn die Fahrerinnen und Fahrer müssen sich mit der neuen Technologie vertraut machen. Sie besteht aus zwei Theorie- und einem Praxisteil. Im Theorieteil geht es nicht nur um die neue Technologie, das Fahrverhalten und die Besonderheiten der E-Busse, sondern auch um alle Sicherheitsfragen und darum, was bei Störungen zu beachten ist. Der Praxisteil besteht aus einer ausführlichen Unterweisung am stehenden Fahrzeug und einer Probefahrt. Bei der Unterweisung liegt der Fokus vor allem auf Sicherheitsaspekten: Wo befinden sich die Not-Aus- und Batterietrennschalter und wie funktioniert die Notöffnung der Türen? Bei der Probefahrt testen die Fahrerinnen und Fahrer nicht nur das Fahrverhalten der Busse sondern auch das Laden in der Wendeanlage am Kaiserlei.

Wie ist der Ablauf von der Lieferung der neuen E-Busse bis ihrem regulären Einsatz im Linienverkehr?

Normalerweise erfolgt für jeden einzelnen Bus eine Vorabnahme direkt im Werk, bevor er nach Offenbach geliefert wird. Aufgrund der Corona-Pandemie war eine Werksabnahme bei der letzten E-Bus-Tranche nicht möglich. Daher erfolgt die Vorabnahme jedes Busses auf dem Betriebshof der OVB: Jedes neue Fahrzeug wird dort gründlich einer technischen Prüfung unterzogen. Dann wird das Fahrzeug mit technischem Equipment wie dem Busdrucker ausgestattet, dass die Integration des Fahrzeugs in die Flotte sowie die Kommunikation mit Haltestellenanzeigen und Leitstelle ermöglicht. Anschließend beginnt die 30-tägige Inbetriebnahmephase der Fahrzeuge im Linienverkehr und erst wenn diese beendet ist, erfolgt die finale Abnahme.

Warum gibt es die 30-tägige Inbetriebnahmephase und wie läuft sie ab?

E-Busse sind, genau wie Dieselbusse, Nutzfahrzeuge, die nicht in Serie sondern in der Einzel- beziehungsweise Chargenfertigung gebaut werden, weil die Anforderungen verschiedener Verkehrsbetriebe sich unterscheiden. Daher ist eine Inbetriebnahmephase vor Ort üblich: Der Bus wird dann im Linienbetrieb erprobt. Diese Inbetriebnahmephase wird von einem Servicetechniker des Herstellers engmaschig und teilweise vor Ort begleitet und dient dazu, „Kinderkrankheiten“, also kleinere Mängel, die neue Fahrzeuge haben können, frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Zum Beispiel kann es vorkommen, dass eine Software neu aufgespielt werden muss. Auch bei Dieselbussen sind in der Vergangenheit immer wieder kleinere Mängel bei der Inbetriebnahme erkannt und behoben worden, zum Beispiel Wasserverlust in der Kühlung oder Probleme mit dem Gaspedal.

Wie begleitet der Hersteller die Inbetriebnahme der E-Busse?

Während der Inbetriebnahme der E-Busse sind Servicetechniker des Herstellers vor Ort auf dem Betriebshof der OVB. Sie lesen die Betriebsdaten der Busse aus, die diese während ihrer Fahrt durch Offenbach sammeln und werten sie aus. Die Erkenntnisse, die sie dabei sammeln, fließen in die Optimierung der Busse ein. Bei Bedarf werden Software-Updates aufgespielt.

Wie ist der Ablauf, wenn während der Inbetriebnahmephase im Linienbetrieb ein Problem auftritt?

Kleinere Störungen können von den Fahrerinnen und Fahrern auf der Strecke behoben werden – dazu wurde das Fahrpersonal entsprechend geschult. Kann eine Störung nicht unmittelbar behoben werden, wenden sie sich an die Leitstelle. Die Leitstelle schickt dann einen Servicetechniker los, der sich vor Ort um den Bus kümmert. Parallel dazu wird ein Ersatzbus auf die Linie geschickt.

Das Fahrpersonal wendet sich bei Problemen unmittelbar an die Leitstelle. In der Leitstelle entscheiden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob der Fahrer oder die Fahrerin das Problem mit Anleitung lösen kann, ein Servicetechniker losgeschickt wird oder der Bus abgeschleppt wird. Wenn das Problem nicht kurzfristig behoben werden kann, schickt die Leitstelle einen Ersatzbus los, der dann die Fahrgäste abholt und an ihr Ziel bringt.

Wie ist die Inbetriebnahme der E-Busse bisher gelaufen? Gab es Probleme?

Drei der neuen E-Busse mussten am „Bieberer Schlupf“ abgeschleppt werden, weil es Probleme mit dem Anfahren an der dortigen Steigung gab: Ein wichtiger Sicherheitsmechanismus, die sogenannte Haltestellenbremse, die üblicherweise das Anfahren bei noch geöffneten Türen verhindert, ist angesprungen, um an der starken Steigung ein zurückrollen des Busses zu verhindern. Es musste daher geklärt werden, wie dieser Mechanismus zum Anfahren an Stellen mit starker Steigung eingesetzt werden kann. Gemeinsam mit einem Techniker des Herstellers Solaris konnte schnell eine Lösung gefunden werden, die einerseits den Einsatz des Sicherheitsmechanismus ermöglicht und andererseits das Anfahren nicht verhindert. Das Problem sollte nun nicht mehr auftreten. Ansonsten lief die Inbetriebnahme der E-Busse ohne größere Schwierigkeiten ab.

Was passiert, wenn die E-Busse in Hochwasser geraten?

In Offenbach kann es bei extremen Wetterereignissen mit Starkregen zu überfluteten Straßen kommen. Grundsätzlich haben alle Busfahrerinnen und Busfahrer die Anweisung, in solchen Fällen weder mit Diesel- noch mit Elektrobussen durch stark überflutete Straßen zu fahren, um Fahrgäste nicht in Gefahr zu bringen und die Fahrzeuge nicht zu beschädigen. Weil Überflutungen aber auch sehr schnell auftreten können, kann es passieren, dass Busse sich bereits an einem Ort befinden, der dann überflutet wird. In diesem Fall geht von den Elektrobussen keine Gefahr für Passagiere, Fahrpersonal oder Passanten aus. Sicherheitsmechanismen sorgen dafür, dass die Stromversorgung sofort unterbrochen wird, damit es nicht zu einem Kurzschluss kommt.