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Stadt Offenbach

Stolperstein für Ferdinand, Emmy, geb. Heidecker, Max und Johanna Siegel

Beschreibung

Der jüdische Kaufmann Ferdinand Siegel handelte mit Mehl, Kleie, Getreide, Düngemittel und Viehfutter. Sein Geschäft nebst Lagerräumen befand sich in seinem Haus in der Groß-Hasenbach-Straße 12. Dort lebte er mit seiner Frau Emmy seit 1910. Sohn Max wurde 1911, Tochter Johanna 1913 geboren.

Im Jahr 1928 nahm er mit einem eigenen Wagen an einem Festumzug des Landwirtschaftlichen Lokalvereins in Offenbach teil. Unter dem Druck der sogenannten Arisierung verkaufte Ferdinand Siegel im August 1938 sein Grundstück und den Betrieb in der Groß-Hasenbach-Straße 12 an die Kartoffelhändler Rossbach und Löw aus Jügesheim.

Tochter Johanna floh bereits 1937 in die USA. Die Eltern und der Sohn mussten im Oktober 1938 ihr Haus verlassen und zogen in die Krafftstraße 6. Sohn Max konnte 1939 nach London ausreisen.

Im September 1942 erhielten Ferdinand und Emmy Siegel sowie 99 weitere Offenbacher Jüdinnen und Juden einen Brief, der sie aufforderte, sich mit einer vorgeschriebenen Menge Gepäck auf dem Gelände neben der Synagoge in der Kaiserstraße einzufinden. Mit Transporten kamen sie zu der Sammelstelle in der Darmstädter Wöhlerschule. Am 27.September 1942 wurden beide zusammen mit 1286 jüdischen Menschen aus dem Volksstaat Hessen in das KZ Theresienstadt/Tschechien deportiert.

Theresienstadt: Unter den insgesamt 141.000 Häftlingen in Theresienstadt waren außer 15.000 Kindern hauptsächlich alte Menschen. Die Bedingungen dort waren schrecklich. Obwohl Theresienstadt kein Vernichtungslager war, starben hier über 33.000 Menschen, die meisten durch schwere Arbeit, Schwäche und Krankheit. Weitere 88.000 Häftlinge wurden in die Vernichtungslager -meistens nach Auschwitz- transportiert. Theresienstadt galt als Vorzeigelager, Besuchern des Roten Kreuzes wurde ein angenehmes Leben der Eingesperrten vorgegaukelt.

Ferdinand und Emmy Siegel waren von September 1942 bis Februar 1945 in Theresienstadt. Als im Februar 1945 im Ghetto das Gerücht umging, die SS würde den Transport von 1200 Häftlingen in die Schweiz vorbereiten, glaubte erst einmal niemand daran und der Ältestenrat hatte Probleme, den Transport voll zu bekommen. Viele hatten Angst, in Wirklichkeit in ein Vernichtungslager gebracht zu werden.

Tatsächlich gehörte die Aktion einer Schweizer Rettungsorganisation zu den gegen Ende des Krieges zwischen den Nazis und internationalen Organisationen ausgehandelten Freilassungsgeschäften. Die Häftlinge, die sich für den Transport meldeten, mussten versichern, nichts über die Bedingungen im Lager zu sagen. Das Ehepaar Siegel meldete sich für diesen Transport, außer ihnen meldeten sich aus Offenbach noch Jacob Strauss und seine Frau Clementine.

Wer reisen durfte, bekam einen Stempel in den Personalausweis. Man sollte sich gut anziehen und herrichten und es wurden reichlich Lebensmittel verteilt. Während der Fahrt wurden weitere Lebensmittel ausgegeben. Der Transport verließ am 05. Februar 1945 um 16.00 Uhr Theresienstadt. Bereits kurz nach Mitternacht, am 06. Februar, übernahm das Schweizer Militär den Zug. Vom Grenzort Kreuzlingen, wo es einen großartigen Empfang gab, trafen die Befreiten am 07. Februar abends in St. Gallen ein.

Der Transport kam für die Schweizer Behörden unangemeldet. Es waren 1.200 Personen aus verschiedenen Ländern in dem Transport, darunter ca. 500 Deutsche, hauptsächlich alte Leute, einige pflegebedürftig. Sie wurden zunächst in provisorischen Lagern, Hotels oder Kliniken untergebracht.
Die Schweiz wollte den Aufenthalt der Flüchtlinge als Transit verstanden wissen. Die Juden sollten nicht in der Schweiz bleiben. Später reisten tatsächlich viele Menschen weiter zu Verwandten ins Ausland oder nach Palästina. Andere blieben in der Schweiz in für sie eingerichteten jüdischen Altersheimen.

Ob und wie lange das Ehepaar Siegel in der Schweiz blieb, ist nicht bekannt.

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