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Stadt Offenbach

Stolperstein für Hermann Strott

Beschreibung

Hermann Strott ist eines der 15.000 Euthanasieopfer, die in den Jahren 1941 bis 1945 wegen psychischer und körperlicher Behinderungen in der sogenannten Heilanstalt in Hadamar ermordet wurden.

Er wurde am 06.Juni 1912 in Offenbach geboren. Seine Eltern waren der Schreiner Martin und Elisabeth Strott in Offenbach geboren. Nach eigenen Aussagen war er während seiner Kindheit und Schulzeit gesund, wenn auch schwächlich, hatte nie Interesse an Sport oder lärmendem Treiben, sondern zog sich meist in die Welt der Bücher zurück. Nach dem Abitur an der Oberrealschule in Offenbach begann er folgerichtig 1931 in Frankfurt ein Philologiestudium.

Unsicherheit beim Studium und Ängste vor der Zukunft führten 1933 zu einem Zusammenbruch und anschließendem mehrmonatigem Klinikaufenthalt. Nach der Entlassung gab er das Studium auf und begann 1934, ohne gesundheitliche Schwierigkeiten beim Arbeitsdienst in Heppenheim zu arbeiten.

Im November 1934 trat er in Regensburg den Militärdienst an, wurde aber bereits im Juni 1935 wieder entlassen. Grund dafür war die Entscheidung des „Erbgesundheitsgerichts" von Regensburg, das Hermann Strotts Sterilisation anordnete. Eine Begründung für den schwerwiegenden Eingriff findet sich nirgendwo in späteren Akten.

Vermutlich sollte diese auf Grundlage des NS-Gesetzes zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14.Juli 1933 gewesen sein - obwohl aus später angelegten Akten hervorgeht, dass bei H. Strott nur eine vorübergehende psychische Erkrankung diagnostiziert wurde und bei Verwandten eine Geisteskrankheit nicht vorlag. Er hat nach eigener Aussage unter diesem Eingriff sehr gelitten.

Bis Ende 1939 blieb Hermann Strott noch bei der Heeresverwaltung in Regensburg als Angestellter tätig. Im Jahr 1940 kehrte er nach Offenbach zurück und arbeitete dort bis 1941 als kaufmännischer Angestellter, zuletzt im Büro eines Rüstungsbetriebs, was ihn gesundheitlich sehr belastete. Nach kurzem Klinikaufenthalt wurde er als arbeitsfähig entlassen und unmittelbar danach dienstverpflichtet. Wohl wegen seiner Französischkenntnisse arbeitete er im Büro des Luftgaukommandos in Paris.

Nach drei Monaten brach er diese Tätigkeit aus Krankheitsgründen ab und nahm 1942 eine Arbeit in Wiesbaden an. Wegen zunehmender psychischer Schwierigkeiten erfolgte im Juli 1943 die Einweisung in die Frankfurter Nervenklinik. Von dort wurde er im Oktober in die „Heilanstalt Weilmünster“ verlegt.

Gemäß einer Weisung der Berliner NS-Zentrale in der Tiergartenstraße 4 (T4) wurde bereits in Weilmünster die Schwächung der Patienten durch Hungerkost gezielt betrieben, um die Anzahl der psychisch Kranken und körperlich Behinderten planmäßig zu verringern.

Trotz seines Interesses an einer Tätigkeit blieb Hermann Strott in der Klinik, ab Oktober 1943 ohne jede Therapie und Beschäftigung. Im August 1944 teilte die Direktion der Klinik auf Anfrage der Betriebskrankenkasse in einem ärztlichen Gutachten mit, dass eine Besserung des Zustandes möglich, aber letztendlich keine Heilung zu erreichen sei. Mit großer Wahrscheinlichkeit sei mit einer Arbeitsfähigkeit aber nicht mehr zu rechnen.

In der Akte vom September 1944 findet sich der Eintrag, dass Hermann Strott an Rippenfellentzündung erkrankt sei. Am 13. Oktober heißt es: „Nach Hadamar verlegt“.

Die Eltern wurden über den Zustand des Sohnes und die Verlegung erst im Nachhinein informiert. Der Vater bat die Direktion dringend um Informationen über den Gesundheitszustand seines Sohnes, erhielt aber keine Antwort. Zu einem von Hermann gewünschten Besuch des Vaters in der Klinik im Dezember 1944 kam es wegen ständiger Luftangriffe nicht mehr.

Am 4. Januar 1945 telegrafierte die Klinikleitung an den Vater, sein Sohn sei schwer erkrankt und sein Zustand habe sich lebensbedrohlich verschlechtert. Besuch sei gestattet. Das Telegramm kam aber nicht an. 

Am 05. Januar 1945 beurkundete das Standesamt der Landesheilanstalt Hadamar den Tod Hermann Strotts. Die Nachricht vom Tod des Sohnes erhielten die Eltern am 12.Januar 1945.

Es ist anzunehmen, dass Hermann Strott keines natürlichen Todes starb - der Totenschein führt eine häufig genannte Diagnose an, eben  „Geisteskrankheit, Herzschwäche, Rippenfellentzündung“.

Vermutlich wurde Hermann Strott mit einer Überdosis Medikamente ermordet. Denn, überzeugt von der NS- Ideologie und deren „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ sowie der Vorstellung eines „Gnadentods“, folgten in Hadamar die meisten Schwestern und Pfleger den Anweisungen des Oberarztes widerspruchslos. Gehorsam verabreichten sie den kranken und nicht mehr arbeitsfähigen Menschen eine tödliche Giftdosis.

Überrascht vom plötzlichen Tod seines Sohnes bat der Vater um nähere Auskunft über die Todesursache, die Art der Bestattung und den Ort des Grabes. Am 17.Januar 1945 erhielt er folgende Nachricht:
Ihr Sohn konnte sich von der Erkrankung nicht mehr erholen. Eine Herzschwäche führte den Tod herbei; er ist ruhig ohne Todeskampf gestorben. Die Beisetzung erfolgte in aller Stille auf unserem Anstaltsfriedhof.“

Hermann Strott wurde mit anderen Euthanasieopfern in einem Massengrab bestattet. Im Februar 1945 erhielten die Eltern auf Nachfrage die Kleidungsstücke ihres verstorbenen Sohnes, wofür sie sich in Unkenntnis der mörderischen Geschehnisse in Hadamar noch höflichst bedankten.

Stolperstein für Hermann Strott

Sprendlinger Landstraße 122
Offenbach

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